2014-06-03 Vortrag Prof Müller - Humanismus irm Kloster

Am 3. Juni 2014 hält Prof. Harald Müller von der RWTH Aachen im Rahmen des Kornelimünsteraner Jubiläumsjahres einen Vortrag "Renaissance / Humanismus im Kloster". Er akzentuierte die Spannung von Bildung (Lektüre vorchristlicher Autoren, Förderung der Sprachstudien [Latein, Griechisch, Hebräisch], ... ) und asketische Klosterspiritualität im 15. Jahrhundert. Vertragen sich Wissensdrang und Frömmigkeit? Wo liegt der klösterliche Nutzen des humanistischen Interesses? Humanisten im Kloster wie Nikolaus Ellenbog, Ottobeuern, oder Abt Johannes Trithemius, Sponheim, mussten sich von Mitbrüdern der Arroganz, des Müßiggangs, der unnützen Neugier zichtigen lassen. Die Bursfelder Reformkongregation dieser Zeit zielte mehr auf das "klösterliche Kerngeschäft" Askese und Frömmigkeit als auf wissenschaftliche Fundierung.


P. Albert als Gesprächspartner stellte fest, dass die Ausbildung der Mönche heute zwar wohl breiter und fundierter als damals angelegt ist, dass in der Praxis des Alltags der Klöster die alte Spannung aber durchaus auch heute in den Klöstern als Frage virulent ist. Führt „Weite des Geistes“ aus dem Kloster heraus? Es ist eine Gratwanderung zwischen Chance „nach innen“ und Versuchung „nach draußen“. - Als weiteren modernen Akzent fügte er die häufige Anfrage hinzu, die Mönche sollten sich angesichts des Priestermangels mehr in der Pfarrseelsorge engagieren. Eine „monastische Theologie“, die diese Fragen umfassend durchdringt und aufbereitet, ist ein Desiderat.


Die weitere, durchaus angeregte Diskussion verließ (leider) bald das Thema des Abends und widmete sich stark den Fragen der heutigen schulischen (Aus-)Bildung und des Wandels im gefragten Fächerkanon und seiner Qualität.