Konventausflug nach Löwen, 8. Mai 2015


Der Konventausflug 2015 führte die Mitbrüder in die Abtei Keizersberg, Löwen, und in die Stadt selbst. Zusammen waren wir beim 100-jährigen Jubiläum des Klosters 1999 dort gewesen. P. Albert war in seiner Amtszeit als Abt häufiger in Löwen zu Besuch. Für Frater Daniel ist es heute Gastheimat während seiner Ausbildungsaufenthalte an der dortigen Universität.

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Als Studienhaus für die jungen Mönche der Beuroner Abtei Maredsous gegründet, wurde das Kloster 1899 zur Abtei erhoben. In der neuen Abtei wurde der im Jahr 2000 seliggesprochene Dom Columba Marmion Prior (1899-1909, dann Abt von Maredsous). Dom Lambert Beauduin gab als Mönch von Keizersberg 1909 den Anstoß zur sog. Liturgischen Bewegung, die in den folgenden Jahrzehnten der katholischen Kirche wesentliche Impulse gab.

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Apsis der Abtskapelle im 1. Stock der Kirche und Dachgauben. Ein Bombenangriff 1944 auf die Bahnstrecke Oostende - Deutschland, der sein Ziel verfehlte hat in der Abtei  schwere Schäden hinterlassen. Nur über der Abtskapelle ist die ursprügliche Gaubenkontruktion erhalten geblieben.  /  Kreuzgang 

Das Kloster ist auf dem Terrain einer mittelalterlichen Kommende der Malteserritter errichtet. Etwa dreißig Jahre dauerte es, die heutigen Gebäude zu errichten. Es ist die größte neoromanische Gebäudeanlage Belgiens. Die Backstein-Neoromanik gibt dem Komplex - vor allem im Inneren - einen eher „gedämpften“ Eindruck. Eine barocke Lichtdurchflutung wird man vergeblich suchen.

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Gewölbe über der Mitte-Säule der quadratischen Sakristei / Treppenhaus

Eine Kirche war selbstverständlich geplant, wurde aber nie gebaut. Stattdessen wurde die große Gewölbehalle, die als Bibliothek errichtet wurde, als Kirche umgewidmet. Die ursprünglich angedachte Nutzung bestimmt die gewöhnungsbedürftigen Proportionen des relativ niedrigen Kirchenraums

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Die Abtei Keizersberg ist heute eine kleine Gemeinschaft von fünf Mönchen. Die in den Anfängen beachtliche Zahl von eigenen Mönchen (bis zu 70) und Studenten aus anderen Klöstern ist durch die europaweiten Entwicklungen geschrumpft. Als belgische Besonderheit kommt das Sprachenproblem hinzu. Die Abtei – wie auch die Universität – war bis in die späten 60er Jahre des verg. Jahrhunderts vorwiegend frankophon geprägt. Der bekannte belgische Sprachenstreit führte dazu, dass die Mitbrüder französischer Sprache sich neue Heimaten suchten. Das heutige Keizersberg ist ein flämisch geprägtes Kloster.

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"Eugenius Ep(iscopu)s servus servorum Dei ad perpetuam rei memoriam ..."
Gründugsurkunde der Universität Löwen von Papst Eugen IV. vom 7. März 1432. Papst Martin V. hatte 1425 bereits ein Studium generale in Löwen gebilligt.

Die Verbindung zur Universität Löwen, die Ursprünge als Studienhaus und die bedeutende Rolle, die das Kloster in der liturgischen Bewegung gespielt hat (P. Lambert Beauduin, Abt Bernard Capelle), haben der Abtei eine große Bibliothek geschenkt, die bis heute gepflegt wird. Der Bestand zählt 200.000 Bücher. Das für die Kommunität übergroße Raumangebot erlaubt es, rund 80 Zimmer für Studenten der Universität zur Verfügung zu stellen.

 

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Unser Besuch in der Abtei Keizersberg frischte Beziehungen auf, die schon lange existieren, aber wegen der Altersstruktur und der jeweils kleinen Zahl der Mitbrüder nicht immer so gepflegt werden können, wie man es gerne möchte. Frater Maurice nahm sich unser als „Cicerone“ durch die Abtei, ihre Geschichte und des Abteigebäudes an. Am Nachmittag begleitete er uns auf einem Rundgang durch die Stadt. Er hat uns vieles kenntnisreich erzählen können. Um 12:00 feierten wir zusammen die Konventmesse. Beim Mittagessen und beim späten Nachmittagskaffee vor der Rückfahrt gab es dann jeweils den zwanglosen Austausch mit den Mitbrüdern. Abt Kris und allen Mönchen ein herzlicher Dank für die brüderliche Gastlichkeit.

150507 Abdij Keizersberg 10"Stundenschlag-Glöckner" an der St.-Pieters-Kirche im Stadtzentrum von Löwen

150507 Abdij Keizersberg 11Life is too short to drink bad coffee

Wie wahr!

Albert Altenähr
2015-05-08