Rundbrief Weihnachten 2005

Liebe Freunde der Abtei Kornelimünster!

Das große und für die gedeihliche Zukunft wichtige Ereignis dieses Jahres ist der Verkauf des größten Teils unseres klösterlichen Altbaus, der im November getätigt werden konnte. Im Grunde genommen seit der Schließung der Realschule (1988) und dann noch einmal nach dem Neubau des Südflügels (1990-92) standen wir vor der Frage, wie der Altbau sinnvoll und effektiv genutzt werden könne. Die durchaus gegebene Teilnutzung durch unsere Kursräume und die Verwaltung und Pforte, - durch Abgabe / Vermietung einzelner Räume oder Raumabschnitte zu Wohnzwecken, caritativen Initiativen (z.B. Tschernobyl-Hilfe, Kleiderkammer) oder als Arbeitsräume (Künsatlerateliers, Musik-Probenraum o.ä.) ergab zwar eine gewisse Nutzung, aber brachte keineswegs die Gelder ein, die für den Erhalt des Gebäudes - geschweige denn für die Sanierung - hätten  hereinkommen müssen. Große Ideen und Pläne, die vom ersatzlosen Abriss des Altbaus bis zum Neubau eines Exerzitienhauses und dem Rückbau der Kirche oder dem Um- und Neubau zu einem Altenheim gingen, wurden zwar durchgespielt, aber als unrealisierbar verworfen.

Seit gut zwei Jahren wurden wir in unserem Suchen von der Immobilienfirma „Pro Secur“ begleitet und beraten. Seit einem Jahr verdichtete sich das Interesse eines Bauträgers aus Magdeburg an unserem Kloster. Anfang Oktober kam „Tempo“ in die Verhandlungen, da Abschreibungsfristen zum Jahresende auslaufen. Mitte Oktober entschied sich der Konvent für einen Verkauf. Anfang November wurde der Verkauf notariell vollzogen. Der Bauträger will Wohnungen im gehobenen Segment einrichten und – nach einem jüngsten Angebot – uns den bisherigen Pforten- und Verwaltungsbereich mit dem entsprechenden Kreuzgangabschnitt durch ein Sondernutzungsrecht weiterhin zur Verfügung stellen. In dem uns verbleibenden Hausabschnitt und im Paradiesbereich vor der Kirche werden wir mit dem Erlös aus dem Verkauf jene Veränderungen vornehmen, die wir wegen des Wegfalls z.Zt. von uns genutzter Räumlichkeiten brauchen. Wir gehen nicht davon aus, dass nach der Reinvestierung des Verkaufserlös’ noch eine nennenswerte Summe übrig bleibt.

Das kommende Jahr wird zunächst durch die detaillierte Umbauplanung und dann durch – hoffentlich zügig voranschreitende – Bauarbeiten mitgeprägt sein. Sicher wird es auch Einschränkungen geben. Über das eine wie das andere können wir jetzt noch keine genauen Angaben machen. Wir hoffen, dass Sie, unsere Freunde, uns durch diese Zeit begleiten, um sich in gut einem Jahr mit uns am Ergebnis zu freuen.

Das Jahr 2006 ist für uns Kornelimünsteraner Mönche aber nicht nur ein Jahr, in dem wir an einem steinernen Gebäude unserer Zukunft bauen wollen, sondern ebenso ein Jahr, das uns an unsere Fundamente erinnert. Am Fest des hl. Benedikt von Aniane 1906 (12. Februar) nahmen Benediktiner die 1000 Jahre benediktinischer Tradition wieder auf, der Napoleon 1802 ein Ende setzte. 1956 wurde am 2. Mai die heutige Abteikirche geweiht. Wir wollen das Jahr mit einer Reihe kleinerer Feste und Begegnungen begehen. Am 27. August aber laden wir Sie alle zum „Tag der Freunde“ im größeren Rahmen ein. Dieser 27. August ist zugleich der 25. Jahrtag der Priesterweihe von P. Friedhelm. Frater Egilhard feiert am Tag zuvor, also am 26. August, den 65. Geburtstag, - Frater David wird bereits am 16. März 80 Jahre alt. Am Fest des hl. Kornelius, 16. September, wollen wir einen benediktinischen Tag mit Mitbrüdern und Schwestern aus unserer Kongregation und aus benachbarten Klöstern des Ordens begehen. An Feier-Gelegenheiten wird es also nicht fehlen. Buchstäblich einläuten werden wir das Festjahr mit dem feierlichen Weihnachtsgeläut am Heiligen Abend diesen Jahres. Zum Weihnachtsfest 1955 erklang das Geläut erstmals vom Turm unserer Kirche.

Der Rückblick auf ein Jahrhundert „neues Kloster Kornelimünster“ nimmt uns auch in die Pflicht, uns und unsere Gemeinschaft als lebendige Steine und als Tempel des Geistes Gottes neu in den Blick zu gewinnen. Wir sind wohl natürlicherweise und sehr menschlich immer in der Gefahr, die äußeren Aufgaben wichtiger zu nehmen als das innere Wachsen auf Gott hin. Als kleine Gemeinschaft stoßen wir häufig auf die Grenzen unserer Möglichkeiten. Äußere Erschöpfung kann dann das innere Atemholen blockieren. Und wenn solche innere Atemlosigkeit um sich greift, ist das weder für uns selbst noch für unsere Ausstrahlung gut. Hier muss jeder mit sich selbst, - wir als Gemeinschaft miteinander, - und wir mit Ihnen als unseren Freunden und Gästen im ständigen Gespräch bleiben. Nicht immer gelingt das Gespräch gleich gut. Als Gemeinschaft sind wir zur Zeit wieder einmal in einer recht guten Gesprächsatmosphäre.

Insgesamt werden wir in Jahr 2005 22 eigene Einkehr-Angebote zählen, bei denen wir selbst als Referenten gefordert waren. Von Januar bis Ende November konnten wir 3.230 Übernachtungen zählen (2004, Jan.-Nov: 3.202). Dazu kommen Tageskurse – sei es mit eigenen Kursleitern oder mit einer Begleitung von uns. Begegnungen und Gespräche „so en passant“ zwischen Tür und Angel, im Gästespeisesaal, beim monatlichen Frühschoppen, nach dem Gottesdienst oder einfach auch auf der Straße haben da für das Klima „Kloster“ sicher den gleichen Stellenwert wie der Chorgottesdienst und der Kursvortrag. Auswärts begleiteten wir – vorwiegend in Schwesterngemeinschaften - sechs Exerzitienkurse. Dass Pfarrgemeinderäte, Presbyterien, Pfarr- oder Verbändeteams aus der Region und darüber hinaus bei uns Einkehr-, Programm- und Reflexionstage halten, ist uns ein Zeichen wachsender Verbundenheit mit dem Bistum Aachen und auf ökumenischer Ebene. Überhaupt stellen wir fest, dass das Angebot „Kloster“ auf ein breites überkonfessionelles Interesse stößt und auch viele anspricht, die kirchlich nicht (- nicht mehr oder auch noch nicht) gebunden sind. Die große Zahl derer, die sich im Internet in „Kloster“ hinein-googlen spricht die Sprache einer Sehnsucht. Wir hatten da von November 2004 bis November 2005 allein 31.209 Zugriffe auf unsere Website. „Kloster“ hat offensichtlich was, von dem vermutet wird, dass es dem Suchen Richtung weisen kann.

Wir sind weder ein berühmtes, noch ein großes und auch kein reiches Kloster. Wir sind schlicht … wir. Wir sind es mit Ihnen und in Ihrer Mitte. Wir sind dankbar für die Gemeinschaft mit Ihnen, - für Ihr Interesse, - Ihren Zuspruch, - Ihr Beten, Zupacken und Ihre materielle Unterstützung. Wir sind einfach dankbar, dass wir Ihr Kloster sein dürfen. Und in all dem sind wir dankbar, dass wir mit Ihnen vor Gott stehen dürfen.

Wir wünschen Ihnen, dass Sie ein gutes Weihnachtsfest feiern und dass Sie mit neuem Mut das neue Jahr begrüßen können. Wir denken an Sie und bitten Sie um Ihr Gedenken.

Ihre Mönche der Abtei Kornelimünster

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