Rundbrief Ostern 2011

Liebe Freundinnen und Freunde unserer Gemeinschaft,

mit großen Schritten geht es auf Ostern zu. Der lange und harte Winter scheint hinter uns zu liegen, obwohl den zurzeit sonnigen Tagen noch recht kalte Nächte folgen. Aber die Pflanzen brechen sich ihren Weg durch die dunkle Erde ans Licht und in die Wärme. Und so mancher Vogel scheint schon mit dem Nestbau zu beginnen.

Bedingt durch die Witterungsverhältnisse waren die Gottesdienste an Weihnachten nur mäßig besucht. Aber wir waren nie alleine! Auch an Gästen mangelte es uns nicht, vor allem die ersten zwei Wochen des Jahres erfreuten sich einer regen Nachfragen nach unseren Gästezimmern. Dabei gibt es eine gute Mischung von Einzelgästen, unseren eigenen Angeboten und den Belegungen durch fremde Gruppen.

Aus der Fülle der Ereignisse sollen einige wenige genannt werden: Beim Treffen unserer Oblaten im Januar wurden zwei Damen in den Kreis aufgenommen. Betreut werden die Oblaten seit vielen Jahren von P. Oliver. – Zu Fortbildungen waren außer Haus Abt Friedhelm, Fr. Egilhard zum sogenannten Brüderkurs in Beuron, Fr. Antonius für seine Ausbildung zum Exerzitienbegleiter. Ferien machte Fr. Antonius in unserem Schwesterkloster Prinknash in England, um die Kontakte dorthin zu stärken. Eine Operation am Auge brachte Fr. Egilhard eine große Erleichterung; vor allem sein Gesichtsfeld ist nun viel größer.

P. Oliver und P. Albert schenkten Schwesterngemeinschaften ihren geistlichen Reichtum in Exerzitienkursen. Weiterhin begleitet P. Albert die Gemeinschaft in Siegburg. Fr. Matthias ist unermüdlich im Kreuzbund des Bistums Aachen tätig. P. Georg feiert täglich die Eucharistie für die Gemeinschaft der Alexianer in Aachen und ist dort im Hause für die Seelsorge zuständig; eine herausfordernde und wichtige Aufgabe.

Zwei Mitbrüder wurden noch nicht erwähnt: Am Aschermittwoch trat Herr Michael Lichte aus Coburg in unsere Gemeinschaft ein um sich zu prüfen, ob er als Klaustraloblate mit uns seinen Lebens- und Glaubensweg teilen kann. Michael wurde 1963 in Soest geboren, ist gelernter Schreiner und verbrachte die letzten Jahre als Hausmeister und Küster in einer Pfarrei in Coburg. Wir wünschen ihm ein gutes Hineinwachsen in unsere Gemeinschaft. Begleiten Sie ihn und uns bitte mit Ihrem Gebet – wie wir es auch für Sie tun.

Am 16. März wurde Fr. David 85 Jahre alt. Den Tag selber begingen wir mehr oder weniger „innerklösterlich“, eine große Feier gab es zwei Tage später mit seiner Familie, seinen Freunden und natürlich den Mönchen. Gut siebzig Personen waren zusammengekommen, um den Jubilar zu feiern. Natürlich fehlte es neben Speise und Trank nicht an Musik und Gebet. Alles in allem eine runde gelungene Feier.

Am 14. März war die Jahresversammlung unseres Vereins der Freunde und Förderer. Wichtig war die Wahl eines neuen Vorstandes. Bestätigt wurde der bisher amtierende Vorstand mit den Herren Hans Martin Lützenburg, Branco Hoensbroech, Werner Glasmacher und Gerhard Löhr. Nach den „Formalia“ erklärte Abt Friedhelm die Fenster im rechten Seitenschiff unserer Kirche zur Vita Benedikts – immer wieder ein spannendes Unterfangen.

Dank Ihrer Mithilfe konnten für die Kirche neue Sitzkissen angeschafft werden. Nun gibt es ein besseres Sitzen und aufmerksameres Hören.

Das mag auch für Konzerte gelten: Am 13. März gab der Kammerchor der Volkshochschule Stolberg unter der Leitung von Klaus Weiß ein Konzert in unserer Kirche. Während dieser Rundbrief entsteht, gibt Kantor Josef P. Eich in bewährte Weise am 08. April um 20.00 Uhr ein Orgelkonzert.

Im März wurde auf Anregung von und unter Mithilfe durch Herrn Martins Scholz, Dortmund, das Projekt „Kornelimönche“ auf den Weg gebracht: Auf ausgewählten Produkten wie z. B. Tassen, Taschen, Briefpapier... werden Zeichnungen von P. Albert aufgedruckt und zum Verkauf angeboten Eine eigene Homepage wird gerade eingerichtet, auf der Sie dann gerne herum stöbern und Dinge erwerben können - zum eigenen Gebrauch oder zum Verschenken. Auch bei uns werden diese Dinge an der Pforte und im Gästespeisesaal angeboten.

Gebannt und gespannt richten sich unsere Blicke auf die Entwicklungen im nördlichen Afrika und den vorderen Orient. Erinnerungen an die Wende vor gut zwanzig Jahren werden wach. Wie werden die Völker, wie werden die Stämme neue Wege und Weisen des Zusammenlebens finden? Und unsere Augen sind auf Japan gerichtet, dieser so leidgeprüften Nation. Wir können viel von diesem Land in seinem großen Leid lernen. Bedenken wir aber auch immer wieder: Wir Menschen sind Diener der Schöpfung, Mitarbeiter Gottes – und nicht Ausbeuter der Reichtümer dieser Erde. Es gilt immer neu das wirkliche Maß des Menschen zu entdecken und in Verantwortung vor der Gegenwart und der Zukunft, in Respekt vor der Vergangenheit sowie in Ehrfurcht vor Gott und den Menschen unser Leben zu gestalten.

In diesem Jahr werden wir am Karfreitag in der Liturgie vom Leiden und Sterben Jesu Christi wieder ein verhülltes Kreuz in die Kirche tragen und nach und nach wieder sichtbar machen. Zum Passionssonntag wird es verhüllt. „Wollen die Mönche zur alten Liturgie zurück kehren?“, werden sich einige fragen. Es geht darum, etwas Sinnvolles wieder einzuführen, was lange Zeit nur wenig geübt wurde.

Mir persönlich war eine kleine Offenbarung die Verhüllung des Reichstages in Berlin im Sommer 1995 durch das Künstlerehepaar Christo und Jeanne-Claude. Indem der Reichstag für zwei Wochen nicht zu sehen war, konnte er nachher wieder mit neuen Augen wahrgenommen werden. Die Künstler machten etwas, was in der Kirche seit Jahrhunderten Brauch war. Durch Verhüllen das Sehen und Wahrnehmen schärfen! Wir sehen täglich so vieles – und nehmen es kaum mehr wahr. Verhüllen als eine Art „Fasten für die Augen“, um die Sehschärfe wieder zu verstärken. Vielleicht mag dem einen oder der anderen durch ein verhülltes Kreuz auch das Skandalöse des Kreuzes wieder aufgehen. Die meisten tragen ein Kreuz, in vielen Zimmern unserer Häuser und Wohnungen ist es zu finden, bis hin zu öffentlichen Gebäuden. Das Kreuz als Zeichen der Schande, das für uns Christen zum Zeichen der Hingabe, der Liebe, der Hoffnung und des Lebens geworden ist. Jenseits allen künstlerisch wertvollen, aller kostbaren Materialien ist das Anstößige des Kreuzes wieder in den Blick zu nehmen – und da hindurch das Hoffnungsvolle und Belebende neu zu entdecken. Aber es ist auch die Frage zu stellen, wo wir als Christen - als einzelne und in Gemeinschaft - das Kreuz leben, aus dem Kreuz leben...

Das verhüllte Kreuz als Fasten für die Augen. Vielleicht kann die Fastenzeit generell unseren Blick schärfen für unser Tun und Lassen. In einer globalisierten Welt scheint alles immer und überall gleichzeitig zu haben zu sein: Sonnenurlaub in Winter, Schifahren im Sommer, zu jeder Jahreszeit Obst und Gemüse, das sonst nur innerhalb der Saison zu haben war. Schnell gewöhnen wir uns an diese Gleichzeitigkeit und erleben nicht mehr das Besondere einzelner Zeiten, einzelner Lebensmittel. Oder auch: Immer und überall die „schreienden Bilder“ der Reklame, die Allgegenwart der Geräuschkulissen in öffentlichen wie in privaten Räumen.

Das verhüllte Kreuz: Hinsehen auf das, was nicht gesehen werden kann, neu sehen dessen, was verborgen ist, ein Änderung, vielleicht sogar die Wandlung des eigenen Lebens(stiles) ein kleines Stück weit ermöglichen.

Es geht um das Leben: In der Fastenzeit ebenso wie zu Ostern, in Politik und Wirtschaft, im Ringen um eine gerechte Welt- und Wirtschaftsordnung und immer neu um die Hinwendung von uns Christen zu unserem Gott des Lebens, Mensch geworden in Jesus Christus.

In diesem Sinne wünschen Ihnen ein gutes Zugehen auf Ostern und ein gesegnetes Osterfest!

Ihre Mönche von Kornelimünster