Alt Linzenshäuschen,

  • Maria - Aachens Schutzfrau

    Maria – Aachens Schutzfrau

    Dem Aachener ist es fraglos gewiss, dass neben dem großen Kaiser Karl die Muttergottes sich nicht mit dem minderen Rang einer Königin begnügen kann. Nein, „zu Aachen bist du Kaiserin.“ So weiß es der Aachener, so steht es fest.

    An der Straße ins belgische Eupen steht nahe der Grenze einer der alten Wachttürme des mittelalterlichen „Aachener Reiches“, erbaut um 1410. Der ursprüngliche Name „Wachtturm Brandenberg“ wurde - zunächst im Volksmund, später dann auch offiziell“ – zugunsten eines Namens ersetzt, der auf einen Bewohner „Laurentius“ hinwies. Daraus wurde „Linzenshäuschen“, heute „Alt Linzenshäuschen“.

    Alt Linzenshäuschen

    Ein Inschriftstein aus der Bauzeit nennt den hohen Titel „Maria Kaiserin“ und beschwört die Hoffnung, die die Stadt auf Maria setzt. Der Text lautet:

    Ave maria keiseri(n) /
    Du bis tzo aichen /
    eyn werdi(n)ne. Dich /
    besoict so me(n)nich /
    vre(m)dt Gast. u(n)da(n)c mois /
    he have(n) D(er) aiche(n) hast.

    Die Übersetzung ins heutige Hochdeutsch: „Ave Maria Kaiserin, du bist zu Aachen eine werdinne (- dazu im Folgenden die Diskussion -). Dich besucht manch fremder Gast. Undank muss haben / soll empfangen, der Aachen hasst.“

    In „Deutsche Inschriften Online“ (DIO)[1] wird werdinne als „Wirtin“ übersetzt. Begründet wird das mit einem Verweis auf Grimms Wörterbuch und mit einem allgemeinen Hinweis auf mittelalterliche Dichtungen, die Maria als Gastgeberin / Wirtin Jesu besingen, … wobei nachzuschauen wäre, ob da wirklich die Muttergottes Maria oder Maria von Betanien, die Schwester des Lazarus gemeint ist. Weil in unserer Inschrift auch der Gast auftaucht, sei „Wirtin“ der anderen Wortbedeutung „Herrin“ vorzuziehen.

    Ich stelle mir die Frage, ob werdinne= Wirtin nicht doch eine Falschübersetzung ist, die bewusst oder unbewusst stark das Faktum reflektiert, dass Alt Linzenshäuschen als Zollstelle und Ort der Pferdewechsel, als Rastplatz der Fußpilger von Eupen nach Aachen und schließlich als Gasthaus am Weg (und heute als Restaurant) bewirtschaftet wurde und wird. Als Aachener Neubürger wurde mir die Übersetzung „Wirtin“ mit entsprechenden Hinweisen schmackhaft gemacht.

    Die Übersetzung „Wirtin“ erscheint mir irgendwie zu „billig“. Sie kommt mir wie eine moderne Reklametafel vor: Aachen die „freundliche Stadt mit aixellenter Gastronomie“. Der Fluchgedanke, mit dem der Text ausklingt, passt dann so gar nicht zu der angepriesenen Gastfreundschaft der Stadt[2].

     Alt Linzenshäuschen Inschrift 2

    Ich versuche eine andere Spur. Die acht Wehrtürme vor den Toren der Stadt Aachen waren Zeichen der Wehrhaftigkeit. Sie waren „Warten“, Wachttürme, Schutzbefestigungen, die die Zugangswege zur Stadt überwachen sollten. Vielleicht könnte man die Sicherheitsschleusen und –kontrollen an Flughäfen als modernes Pendant so einer „Warte“ als Vergleich heranziehen. Die englische Sprache kennt in diesem Zusammenhang den „warden“, den Wärter / Wächter, die Franziskaner nennen ihren Hausoberen „Guardian“, das Militär kennt die „Garde“, und der Sport den „Torwart“. Sind wir mit diesen Begriffen vielleicht ganz nahe an unserem Wort “werdinne“? Maria, der „Torwart“ von Aachen, der verhindert, dass der Stadt übel mitgespielt wird?

    Ich bin kein Philologe, der die Geschichte eines Wortes entschlüsseln kann. So kann es durchaus sein, dass es vom alten „werdinnekeine textlich belegbare Brücke zum „Wärter“ gibt. Aber könnte nicht auch der alte Verfasser des Textes ähnlich sprach-assoziierend phantasiert haben, wie es mir in den Sinn kommt? Meine Lesart der Inschrift zielt auf die Betonung des Patronatschutzes, den die Aachener von Maria erhoffen und erwarten. Maria ist die Schutzherrin und Schutzfrau der Stadt.

    In die Form einer Bitte übersetzt, lautet die Inschrift an der „Brandenberger Warte“ dann in etwa:

    Ave Maria Kaiserin,
    für Aachen bist du Hüterin.
    Schick uns nur freundliche Gesichter,
    und bewahre uns vor Bösewichter(n).

     Albert Altenähr
    2016-11-26


    [1] http://www.inschriften.net/aachen-stadt/inschrift/nr/di032-0029.html#content

    [2] Die Inschrift lässt sich heute (Nov. 2016) schwer fotografieren. Zum einen liegt das Gebäude relativ hoch an einem Steilhang. Zum anderen verdeckt der Baumbewuchs den direkten Zublick. Im Sommer dürfte das Blattwerk der Bäume inzwischen die Inschrift mehr oder weniger ganz verbergen.

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