Flüchtlingskrise 2015 / 2016,

  • 14. März 2016

    14. März 2016

    Wir ziehen uns heute zu einem geistlichen Tag zurück. Die Impulse mit dem Thema „Fremd sein“ gibt uns Frau Prof. Barbara Krause. Einer ihrer sozialwissenschaftlichen Forschungsschwerpunkte ist Migration und Integration. Sie ist seit langem Mitglied im ZK der deutschen Katholiken (und seit 45 Jahren Teilnehmerin an den Katholikentagen). Frau Krause uns als Kornelimünsteranerin sehr vertraut. In ihrem örtlichen Engagement für die Integration von Asylsuchenden sehen wir sie u.a. regelmäßig bei den Sprachkursen, die bei uns im Kloster stattfinden. Wir freuen uns auf ihre Impulse und Anregungen.

  • 28. Februar 2016

    28. Februar 2016

    P. Albert ist eingeladen, in der Heimkehrer-Dankeskirche in Bochum-Weitmar, eine Fastenpredigt zum Thema "Ich war fremd und obdachlos, und ihr habt mich aufgenommen" zu halten.

  • 3. Sonntag im Jahreskreis C - Der Geist ruht auf mir - Die Freude am Herrn ist euch Kraft und Stärke

    3. Sonntag im Jahreskreis
    Lesejahr C

    1. Lesung: Neh 8, 2-4a.5-6.8-10
    2. Lesung: 1 Kor 12, 12-31a
    Evangelium: Lk 1, 1-4; 4, 14-21

    Der Geist ruht auf mir -

    Die Freude am Herrn ist eure Stärke

    Der Priester Esra sagte:
    ‚Geht, haltet ein festliches Mahl, und trinkt süßen Wein! Schickt auch denen etwas, die selbst nichts haben; denn heute ist ein heiliger Tag zur Ehre des Herrn. Macht euch keine Sorgen; denn die Freude am Herrn ist eure Stärke’ (Neh 8,10).

    Jesus nahm die Buchrolle und las die Worte des Jesaja:
    ‚Der Geist des Herrn ruht auf mir; denn der Herr hat mich gesalbt. Er hat mich gesandt, damit ich den Armen eine gute Nachricht bringe; damit ich den Gefangenen die Entlassung verkünde und den Blinden das Augenlicht; damit ich die Zerschlagenen in Freiheit setze und ein Gnadenjahr des Herrn ausrufe’ (Lk 4,18f).

    Er schließt die Buchrolle, aller Augen sind auf ihn gerichtet. Er schweigt. Er schaut  i n  s i c h  h i n e i n  und erkennt:  H e u t e !   D u !  In mir ist der Same, den Jesaja säte, reife Frucht geworden.

    Er schaut   s i e  an, die  i h n  anschauen. Sein Blick sagt dasselbe Wort:  H e u t e !  ‚Ihr habt seine Stimme gehört. Verhärtet eure Herzen nicht’  (Ps 95,7f).  H e u t e !   I  h r !  Werdet, seid, bringt Frucht. Grenzt euch nicht aus, grenzt euch nicht ein. Wachst über euch hinaus.

    Der Geist ruht auf  e u c h ,  ihr seid getauft, gefirmt, gesalbt. Ihr seid gerufen, gute Nachricht in die Welt zu künden: dass die Angstgefangenen in das Leben hinein entbunden werden …, dass ihre Aussichtslosigkeiten eine Perspektive erhalten …, dass ihre Wunden heilen können.

    Ihr seid gerufen, geborgen in Gott, mit und aus Gott heraus, das zu leben und das zu wirken.

    Heute,  w i r ?   Aber nicht doch, Herr, zügle deinen Prediger. Er soll uns von dir und damals erzählen, aber bitte nicht das  H e u t e  stören.

    Und Jesus schaute Paulus an, der an seine Gemeinde in Korinth schreibt: ‚Ihr seid der Leib Christi, jeder Einzelne ist ein Glied an ihm’ (1 Kor 12,27). Stärker geht es nicht. Wir sind der Jesus Christus heute. Welche Ehre, welche Herausforderung!

    H e u t e  will sich das Wort des Jesaja  d u r c h  u n s  erfüllen. Das ist beunruhigend großartig. Die Freude am Herrn ist uns Mitgift und Stärke. So schaffen wir, was zu tun ist.

    Albert Altenähr
    2016-01-23

  • Matthäus 25,35 Ich war fremd und ihr habt mich aufgenommen (Fastenpredigt 28.2.2016)

    Ich war fremd und obdachlos,

    und ihr habt mich aufgenommen“ (Mt 25,35)

    Fastenpredigt in der Heimkehrer-Dankeskirche, Bochum-Weitmar
    am 28. Februar 2016

     

    2016 02 28 Heimkehrer Dankeskirche BochumFoto: Hermann Haferkamp, Bochum

     

    Ich habe mich schwer getan, Ihre Einladung zu dieser Fastenpredigt „Fremde beherbergen“ in der „Heimkehrer-Dankeskirche“ anzunehmen. Es ist für mich eine Begegnung mit der eigenen Geschichte, die ich wohl bis heute immer wieder und immer noch zu verdrängen suche.

    Mein Vater ist nicht aus Stalingrad heimgekehrt. Er ist dort vermisst – Anfang Januar 1943. 1955, als Adenauer die letzten Kriegsgefangenen in Moskau frei-verhandelt hatte, saß ich jeden Tag vor dem Radio und verfolgte die Verlesung der Heimkehrer-Namen, die im Auffanglager Friedland eintrafen. Sein Name war nie dabei. Und am nächsten Tag war die gestern enttäuschte Hoffnung wieder da.

    Ein Buch über Stalingrad habe ich bis heute nicht gelesen, … nicht lesen können. Und das obwohl ich gerade geschichtlich äußerst interessiert bin und bei meinen Mitbrüdern und wohl vielen anderen als emotional eher harter Knochen gelte.

    Um 1958 spielte mein älterer Bruder in einer Schülerinszenierung des Gymnasiums mit Begeisterung den Heimkehrer Beckmann in Wolfgang Borcherts „Draußen vor der Tür“, und ich musste ihm zu Hause den Rollentext wieder und wieder abhören. Das Stück endet mit einem dreifachen Schrei voller „Warum?“ Wolfgang Borchert selbst schreibt in einem Brief: „Beckmann geht am Ende nicht in die Elbe. Er schreit nach Antwort. Er fragt nach Gott! Er fragt nach der Liebe! Er fragt nach dem Nebenmann! Er fragt nach dem Sinn des Lebens auf dieser Welt! Und er bekommt keine Antwort“[1]. Der Titel des Stücks „Draußen vor der Tür“ wurde mir ein Lebensgefühl: Du hast keinen Vater, … wie die Freunde, die Mitschüler. Du hast nicht einmal ein Grab, wo du ihn betrauern könntest. Du bist „draußen, … vor der Tür“.

    Und noch einmal drei Jahre später – 1961 – trat ich in ein Benediktinerkloster ein. Ein Benediktinerkloster! Erst viele Jahre später stieß ich auf einen psychologischen Grund, warum es gerade ein Benediktinerkloster war, das mich in seinen Bann gezogen hatte. Es verstand sich als eine (monastische) „Familie“ mit vielen „Brüdern“ und hatte an seiner Spitze einen, der „Vater Abt“ genannt wurde. Und 21 Jahre später wurde ich selbst einer von denen, die in alter Tradition diesen Titel trugen: „Vater Abt“.

    Liebe Schwestern und Brüder, für eine Predigt und selbst für eine längere Fastenpredigt war das ein ziemlich langer und dazu noch ein nicht-biblischer Hinweg zum Thema. Und doch glaube ich, dass wir bereits mitten drin sind im Thema „Fremde beherbergen“.

    „Fremde beherbergen“ stellt die Frage nach dem Fremden in mir, nach dem Fremden aus dem Jenseits und nach den Fremden, die an unseren Grenzen stehen. Fremde, das sind „das Fremde“, das ich an und in mir selbst erlebe -, „der Fremde“ Gott, der nicht so ist, wie ich ihn gern hätte -, „die Fremden“ mit ihren so vielfach anderen Hintergründen und Erfahrungen, die ich nicht weiß, verstehe und kaum nachfühlen kann.

     

    1. Das Fremde in mir auf Herbergssuche

    In dem Roman von Michael Ende „Die unendliche Geschichte“ sagt der Autor einmal über seinen kleinen Helden, Bastian Balthasar Bux: Er wollte immer ein anderer sein, aber er wollte sich nie ändern. Bastian – er mag im wirklichen Leben auch Albert heißen wie ich oder auch Ihren Namen tragen – erkannte sehr gut, dass er nicht die ganze Welt ist. Er weiß, dass ihm vieles fehlt und dass ihm unendlich viel Gutes fehlt, das seine unfertige, gebrechliche und durch und durch brüchige Persönlichkeit weit davon entfernt ist, eine leuchtende Strahleexistenz zu sein. Er sehnt sich danach, ein in sich runder Mensch zu sein und verweigert sich gleichzeitig, es zu werden. Die Notwendigkeit, sich zu ändern, ist ihm zu herausfordernd. So wendet sich seine Not nicht, weil er nicht wendig genug ist. Er scheut, sich heraus-fordern zu lassen, er bleibt bei sich selbst. Er bleibt der alte und wird nicht neu.

    Wenn ich in mich selbst hineinschaue, dann ist da noch viel mehr, als ich bei Bastian Balthasar erkenne.

    Bin ich mit meinem Charakter versöhnt? Ich bin nicht der Champion des Smalltalks in den kleinen Runden, geschweige denn auf den Parties oder gar bei Empfängen. Das lockere Wort schärft sich schnell zur spitzen Bemerkung, die piekst und verschreckt. Und so bin ich kaum „Everybody’s Darling“. Kritisch und doch auch bewundernd blicke ich auf den Charme derer, die sich auf dem Parkett leicht tun und sich in ihrem Element fühlen. Warum bin ich nicht so?

    Ich habe dieses angefangen und jenes. Das eine ist zu einem guten Ende gekommen, anderes ins Leere gelaufen, vielleicht müsste ich sogar sagen: gescheitert. Wenn ich rede, dann scheint es aber die wenig ruhmvollen Dinge nicht zu geben. Ich bin da wohl nur wie viele andere auch: einer, der eine Fassade aufbaut, die gut auszusehen hat, damit man nicht sieht, wie es dahinter ausschaut. Und dann bin ich ganz schnell der Überzeugung, dass diese Fassade der wirkliche und ganze P. Albert ist. Und damit betrüge ich mich selbst und die anderen noch dazu.

    Ich bin getaufter Christ, habe Jesus Christus als Mönch zu meinem Beruf gemacht, wurde von der Kirche als Priester geweiht, sein Wort zu verkünden und seine Heilsgeschenke für die Gemeinde zu feiern. Kann ich das eigentlich, darf ich das wirklich, wo ich doch eigentlich sagen müsste, dass der Sünder in mir kein geeigneter Zeuge für den heiligen Gott ist?

    Nicht nur die Hausfrau, sondern jeder normale Mensch weiß, dass es nicht gut tut, die Augen vor dem Dunklen, Ungeliebten, Befremdlichen in uns zu verschließen, es links liegen zu lassen, es unter den Teppich zu kehren. Es erledigt sich nicht von selbst. Unangeschaut, verdrängt, nicht bearbeitet, baut es sich mehr und mehr zu einem Berg auf, der nicht sich selbst, sondern schließlich uns erledigt. Was unter den Teppich gekehrt wird, baut eine Eigendynamik auf, auf deren Beherrschung wir verzichten. Sie bleibt ohne Kontrolle und gerät immer mehr außer Kontrolle.

    Das Dunkle und Unschöne …, das Ungeliebte und ins Abseits Verdrängte …, das so befremdlich Fremde …, der andere Albert – oder wie immer er heißt – muss angeschaut werden, wenn ich die Sehnsucht habe, ein „runder“ Mensch zu werden. Es ist beileibe keine religiöse Frömmelei, die Übung der Gewissenserforschung zu pflegen. Und ich glaube auch nicht, dass es ein Gewinn an Mündigkeit war, dass wir in den letzten Jahrzehnten die Praxis der Beichte weitgehend „ad acta“ gelegt haben. Es war ein Verzicht auf Grenzöffnung und Weite …, ein Rückzug in den Schrebergarten kleinbürgerlicher Selbstgerechtigkeit. Es war ein Verzicht auf ein Gegen-Über …, auf einen Widerpart, mit dem zu ringen uns weiterbringt.

    Diese letzten Gedanken führen uns über die Fremdheiten in mir selbst hinaus und konfrontieren uns bereits mit dem großen Fremden, mit Gott.

     

    2. Gott, der Fremde vor meiner Tür

    Gott – ein Fremder? Er, der uns in seinem Sohn so nah geworden ist …, Fleisch geworden …, einer wie wir, angefangen von den nassen Windeln in der Krippe von Betlehem bis zum Angstschweiß der Gottverlassenheit am Ölberg?

    Ja, Gott ist ein Fremder und er bleibt ein Fremder. Auch in seinem Sohn ist er nicht zu einem Kumpel geschrumpft, dem wir kumpelhaft auf die Schulter klopfen oder in die Seite stupsen können. Er ist auch nicht der langbärtige Alte, den man nicht ganz ernst nehmen muss und vor dem man mit einem Augenzwinkern erscheint: „Hi, Alter. Da sind wir, alles kleine Sünderlein. Nimm’s nicht so ernst. Mach Platz, wir wollen rein ins Paradies.“ Diese Gotteskarikatur ist ja wohl wirklich nicht der Gott, den wir bekennen und glauben.

    Gott – egal ob wir an ihn glauben oder nicht – ist in unserem Verständnis immer größer als wir selbst. Das gehört schlicht zum Begriff „Gott“, wie wir ihn kennen und verstehen. Und diese Größe, an der unser Erkennen und Wissen knabbert und scheitert, macht ihn rätselhaft und geheimnisvoll. Seine Größe erzeugt in uns Ehrfurcht, Distanz, oder Furcht und Angst, oder allgemein Fremdheit und möglicherweise eben auch Ablehnung.

    Gott fügt sich nicht ein in unsere Schemata. Sie sind zu begrenzt für ihn. Ihn auf unser Maß zurechtzustutzen, ist ein Versuch, mit ihm fertig zu werden. Das aber macht ihn kaputt. Das macht ihn fertig, so dass er schlussendlich nicht mehr Gott ist, sondern nur noch der Popanz unserer eigenen Engstirnigkeit. Er ist nicht mehr das Urbild, nach dessen Größe wir gestaltet sind, sondern das Abbild, das Ebenbild unserer Zwergenhaftigkeit. Er wird zum Gartenzwerg unseres Schrebergartens.

    Das Johannes-Evangelium bekennt die Nähe und gleichzeitige Fremdheit Gottes mit dem Wort: „Er kam in sein Eigentum und die Seinen nahmen ihn nicht auf.“ Näher kann man Nähe kaum ausdrücken und Fremdheit wohl auch nicht. Der Eigentümer wird nicht reingelassen. Er muss draußen vor der Tür bleiben. Er wird ausgesperrt. Er wird von denen, die drinnen sind, zum Fremden gemacht.

    Die Auseinandersetzung mit diesem fremd-nahen Gott bestimmt weite Teile unserer biblischen Überlieferung. Wer ist er? Wer bist du, Gott? Du, meine Sehnsucht? Du -, der, an dem ich mich abarbeite, ohne dass ich an ein Ende komme? Du -, der, von dem ich mich immer wieder verlassen fühle und von dem ich doch nicht lassen kann?

    Eine biblische Erzählung (Gen 32) ist mir persönlich eine Schlüsselerzählung für den Zugang zu diesem Fremden und den Umgang mit ihm. Nach langen Jahren des Exils will Jakob zurück in die Heimat Kanaan. Aber da hat sein feindlicher Bruder Esau das Sagen. Zwischen beiden ist der „Grenzzaun“ des Flusses Jabbok. Nacht der Angst, der Albträume, des Verzagens, des „Das geht nicht gut“, „Das schaffe ich nicht.“ Dann wird erzählt, dass einer – es wird nicht gesagt, wer das ist – mit ihm rang, die ganze Nacht hindurch, bis in die Morgenröte hinein. Am Ende fragt der Unbekannte Jakob nach seinem Namen und gibt ihm dann einen neuen: Israel, Gottesstreiter.

    Jakob hat sich durchgerungen. Er ist der Auseinandersetzung nicht ausgewichen. Er hat sich nicht auf dem alten, scheinbar sicheren Ufer eingerichtet. Er hat das andere Ufer erreicht. Er ist weiter gekommen und hat sich selbst neu gefunden. Jakob nannte das eine Gotteserfahrung. Er nennt den Ort, wo das geschah, „Penuel – Gesicht Gottes.“ Es prägte ihn auf seinem weiteren Weg. „Weiter so“ wie eh und je geht nicht mehr. Er muss eine andere Gangart wählen. Er hinkte seitdem, denn Gott hatte ihn auf den Hüftmuskel geschlagen. Er ist mit Gott „geschlagen.“

     

    3. Die fremden Brüder klopfen an

    Ihre Erwartung ist wahrscheinlich groß, doch endlich zu dem aktuellen Thema zu kommen, das die Öffentlichkeit und damit auch mich selbst und wohl auch Sie beschäftigt. Schaffen wir das …, das „Wir schaffen das“? Ich habe kein Handlungs-Rezept für die zu treffenden politischen Entscheidungen im Großen, geschweige denn für die Einzelschicksale, in die sich die Gesamtsituation immer wieder herunterbricht.

    Was ich habe, ist ein biblischer und ein benediktinischer Hintergrund, der durch die Flüchtlingsströme nach Europa befragt und getestet wird. Er ist für mich die Folie, die mein Denken prägt.

    Das Wort Jesu aus der Gerichtsrede „Ich war fremd und obdachlos, und ihr habt mich (nicht) aufgenommen“ (Mt 25,35.48) steht über dieser Fastenpredigt. Im Hebräerbrief lese ich von Abraham, der drei Fremden sein Zelt öffnete: „Vergeßt die Gastfreundschaft nicht; denn durch sie haben einige, ohne es zu ahnen, Engel beherbergt“ (Hebr 13,2; Rückverweis auf: Gen 18). Abraham wusste nicht, wer da vor seiner Tür stand , als er die „Hergelaufenen" herein ließ. Sie gaben ihm als Dank den Segen und Abraham wurde zum Segen in eine große Zukunft.

    In die benediktinische Tradition ist „Gastfreundschaft“ als ein geistliches Stammwort eingeschrieben. Die Benediktsregel entstand im 6. Jahrhundert, in der Zeit der sog. Völkerwanderung. Ein eigenes Kapitel in ihr ist der Gastfreundschaft gewidmet (RB 53). Sie weiß, dass dem Kloster Gäste nie fehlen werden, und dass Gäste durchaus unverhofft vor der Tür stehen können (RB 53,16). Die Aufgabe des Pförtners (RB 66) ist nach Benedikt eine Schlüsselposition der Gemeinschaft. Der Pförtner ist das Gesicht des Hauses und damit der erste / wichtigste „Prediger“ der Gemeinschaft.

    Das Profil des Pförtners soll sich durch spirituellen Tiefgang und Erfahrung auszeichnen. Sie geben ihm innere Stabilität, Ruhe und Gelassenheit, Überlegungs- und Antwortkraft. Er ist nicht einfach der, der dem da „von draußen“ großzügig etwas vom klösterlichen Obdach gewähren (oder verweigern) kann, sondern von ihm Segen erbittet. Sein Willkommensgruß ist „Benedic = Segne mich“ (RB 66,3). Die Gemeinschaft weiß, dass ihr im Fremden Christus begegnet (RB 53,1). Sie versteht sich weniger als eine großzügig schenkende Gemeinschaft, sondern mehr als eine beschenkte. Zum Aufnahmeritus des Gastes gehört im Kloster Benedikts der Psalmvers: „Gott, wir haben deine Barmherzigkeit aufgenommen inmitten deines Tempels“ (Ps 48,10; RB 53,14).

    Wenn ich diese Gedanken heute in eine politische Diskussion zur aktuellen Flüchtlingsfrage einbringen würde, würde mir wohl größtes Unverständnis begegnen. Das, was du sagst, ist naiv, realitätsfern, nicht lösungsorientiert. Die Tagesordnung gehorcht raueren Gesetzen. In ihr herrscht der Hintergrundgedanke „homo homini lupus – der Mensch ist dem Menschen ein Wolf“ (Plautus, Asinaria; Th. Hobbes, Elementa philosophica de cive[2]). Ich verteidige meinen Besitzstand bis auf die Zähne. Der andere ist ein Rivale, der mir das Meine streitig macht.

    Diese Einwände sind richtig, solange wir dieses Menschenbild festhalten: der Mensch dem Menschen ein Wolf. Diese Sicht zu ändern würde ein anderes Klima schaffen und einen zivileren, humaneren, empathischen Umgang miteinander fördern.

     

    Lassen Sie mich mit einer rabbinischen Geschichte schließen, die Sie möglicherweise kennen.

    „Wann beginnt der Tag?“ fragt der Rabbi die Jünger.
    „Wenn man die Dattelpalme vom Feigenbaum unterscheiden kann?“ antwortete einer.
    „Wenn man einen Esel und einen Hund unterscheiden kann?“ ein anderer.
    … und noch manch weitere Antwort schlugen die Jünger vor.
    „Der Tag beginnt,“ sagte schließlich der Meister, „wenn du im Gesicht eines Menschen deinen Bruder erkennst.“

     

    Albert Altenähr
    2016-02-25

     

    Heimkehrer-Dankeskirche

    Kirchenbeschreibung: http://www.route-industriekultur.ruhr/themenrouten/26-sakralbauten/heimkehrer-dankeskirche-bo-weitmar.html

    Glasfenster: http://www.glasmalerei-ev.de/pages/b1434/b1434.shtml

     

    Fremde beherbergen

    Katholisch.de, 2016-02-25: http://www.katholisch.de/aktuelles/aktuelle-artikel/fremde-beherbergen?utm_content=buffer9c262&utm_medium=social&utm_source=facebook.com&utm_campaign=buffer

     


    [1] Borchert: Allein mit meinem Schatten und dem Mond, S. 194–195

    [2] Sowohl bei Plautus als auch bei Hobbes sollte man allerdings beachten, dass die Kurzfassung des Wortes nicht wirklich die Intention der Autoren wiedergibt.
    Plautus: „Der Mensch ist dem Menschen ein Wolf, solange man sich nicht kennt.“
    Hobbes: „Nun sind sicher beide Sätze wahr: Der Mensch ist ein Gott für den Menschen, und: Der Mensch ist ein Wolf für den Menschen; jener, wenn man die Bürger untereinander, dieser, wenn man die Staaten untereinander vergleicht. Dort nähert man sich durch Gerechtigkeit, Liebe und alle Tugenden des Friedens der Ähnlichkeit mit Gott; hier müssen selbst die Guten bei der Verdorbenheit der Schlechten ihres Schutzes wegen die kriegerischen Tugenden, die Gewalt und die List, d.h. die Raubsucht der wilden Tiere, zu Hilfe nehmen.“

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