Maria,

  • ... wo er geboren wurde - eine Adventgeschichte

    DSC04686 aa wo er geboren wurde 2017 12

    Als Maria und Josef ihren Winterurlaub planten, fielen ihnen die begeisterten Berichte über das Land der Weihnachtsmärkte in die Augen. Seine Städte wetteiferten miteinander, wer die schönsten Lichterketten über den Straßen zum Leuchten bringe. Eine Krippe schöner als die andere. Der Duft der Weihnachtsbäckereien und der Glühweine, die gefühlvollen Weihnachtslieder, die Weihnachtsmänner, die Weihnachtsbäume und vieles, vieles mehr wurde lockend gepriesen.

    … und sie machten sich auf die Reise, um all das zu erleben und weihnachtlich eingestimmt zu werden auf das Fest der Feste, auf Weihnachten.

    Sie fanden alles, was so hoch gepriesen wurde, aber der Spaziergang durch die Stadt war doch sehr ermüdend. Nach Stunden des Weges setzten sie sich auf eine Bank im Lampenschein eines Parks, vor sich die Lichterwelt des Marktes, den Duft, die lockenden Lieder.

    „Mich fröstelt“, sagte Maria.

    „Etwas stimmt nicht“, sagte Josef nach einer Pause.

    Sie schwiegen

    „Lass uns zurückgehen, …
    zu dem Stall von damals,
    wo er geboren wurde“, sagte sie in die Stille.

    … und sie lächelten.

     

    Albert Altenähr
    2017-12-04

  • Das Fest Mariä Schutz und Fürbitte

    Das Fest Mariä Schutz und Fürbitte

    Kapelle Mariä Schutz

    Die Kapelle im hintersten Winkel unseres Klostergartens hat ein jahrzehntelanges Dornröschen-Dasein geführt. So wie es damals Anlässe und Gründe gab, sie nicht weiter zu „bespielen“, so gibt es heute Impulse und Anstöße, sie neu ins Bewusstsein zu rücken. Beides näher auszuführen, würde den Rahmen dieses Beitrags sprengen.

    Die Kapelle ist das Zuhause einer Schutzmantelmadonna aus dem Jahr 1960. Die fast rustikal herbe Ausführung erzählt diskret von den Stürmen, denen die Menschen ausgesetzt sind. Ein Mönch, eine Frau und ein Mann sind in den Schutz der großen Mutter geflüchtet. Sie hüllt sie bergend in ihren Mantel. – Das „große Rund“ der kleinen Kapelle wiederholt kongenial den bergenden Schutz des Mantels Mariens in der Statue.

    Das Schutzmantelmotiv scheint ein archetypisches Ursymbol zu sein, das sich in allen Kulturen und Religionen findet. Dass es sich im christlichen Bereich vor allem mit Maria verbindet, dürfte ebenfalls archetypisch verwurzelt sein, insofern es die grundlegende Kind-Mutter-Beziehung spiegelt.

    Schutzmantelmadona

    In den orthodoxen Kirchen, und hier besonders jenen, die von Moskau her spirituell stark geprägt wurden, ist der Pokrov Bogomateri, der Schutz(mantel) der Gottesmutter, ein zentraler Punkt gelebter Spiritualität. Diese Wertschätzung geht wesentlich auf den Fürsten Andrej Bogoljubski (1111-1174.) zurück, der das Zentrum des Kiewer Rus nach Wladimir (190 km östlich von Moskau) verlegte und sich dem Schutz der Gottesmutter anvertraute (1157). Um das zu verdeutlichen, brachte er eine Ikone in seine neue Residenz - die berühmte Muttergottes von Wladimir[1] - und verfasste zur Legende einer Marienerscheinung aus dem 10. Jhd. eine Ergänzung. Darin stellt er sich in die Nachfolge und unter den Schutz des seligen Andrej des Toren, der diese Erscheinung hatte.

    Als der selige Andreas der Narr um Christi willen (+936) einmal zusammen mit vielen Menschen in der Blachernenkirche von Konstantinopel betete, schaute er die Allheilige Gottesgebärerin. Sie trat durch die Königstür der Ikonostase und fiel vor dem Thron auf die Knie. „Hilf deinem Volk, das von einem feindlichen Heer bedroht wird.“ Der selige Andreas fragte Epiphanias, seinen Schüler: „Siehst auch du die Allheilige?“ „Ich sehe sie und bin verwirrt erschreckt!“ Nach ihrem Gebet nahm die Allheilige Gottesgebärerin ihr Schleiertuch vom Haupt und breitete ihn über die Beter aus. Die Flotte der Feinde aber wurde zerstört[2].

    Icon of theotokos pokrov naive

    Unter den vielen Kirchen, die dem Schutz und der Fürbitte Mariens geweiht sind, ist die Basilius-Kathedrale auf dem Roten Platz in Moskau wohl die bekannteste[3]. Geschichtlich bedeutsamer ist die bereits von Fürst Andrej Bogoljubski erbaute Schutz-Mariä-Kirche am Fluss Neri bei Wladimir (Weltkulturerbe).

    Die orthodoxen Kirchen begehen ein eigenes Fest „Mariä Schutz und Fürbitte“ mit hochfestlicher liturgischer Wertung am 1.Oktober. Der lateinische Westen kennt zwar seit dem 13. Jahrhundert zahlreiche Kunstwerke von Schutzmantelmadonnen, hat aber kein eigenes Fest entwickelt.

    Allgemein lässt sich sagen, dass a l l e Marienfeste stark vom Fürbittgedanken geprägt sind. Nicht wenige Feste haben den Hintergrund von Kriegsgefahren und -Erfahrungen und der in solchen Situationen starken Schutzsehnsucht. Maria ist also durchaus als „Schutzfrau“ präsent, ohne dass das Attribut des Schutzmantels zur Sprache käme.Der unter Pius VII. nach seiner Rückkehr aus der Gefangenschaft Napoleons 1814 eingerichtete Gedenktag „Maria Hilfe der Christen“ wird zwar gelegentlich als Schutzmantelfest bezeichnet, hat aber nicht im entferntesten das spirituelle Gewicht des orthodoxen Festes[4]. Das konfessionsübergreifend bekannte altkirchliche Gebet „Sub tuum praesidium – Unter deinem Schutz und Schirm“[5] und unser Kirchenlied „Maria, breit den Mantel aus“ (1640) sind herausragende Zeugnisse der Schutzmantel-Frömmigkeit.

    Albert Altenähr
    2016-10-01

     


    [1] Die Ikone wurde Anfang des 12. Jhd. in Konstantinopel geschrieben. Ab 1155 war sie in Wladimir, 1395 wurde sie nach Moskau verbracht, seit 1930 ist sie in der Tretjakow-Galerie. Die Ikone gilt als Nationalheiligtum Russlands und ist damit eine der wichtigsten Ikonen der Orthodoxie überhaupt https://de.wikipedia.org/wiki/Gottesmutter_von_Wladimir

    [2] Die abgebildete Ikone erzählt die Vision Andreas’. Er selbst und sein Schüler sind rechts neben der Tür der Ikonostase zu sehen. Links der Tür ist mit einer Schriftrolle Romanos der Melode (5. Jhd.) dargestellt, der Verfasser des berühmten Hymnus Akathistos. Sein Fest wird wie das Fest Mariä Schutz am 1. Oktober gefeiert. https://de.wikipedia.org/wiki/Romanos_Melodos Oben im Ikonenbild breiten zwei Engel den Schutzschleier Mariens über der Szene aus. Dieses Detail erinnert an eine „Wunder-Liturgie“, die in der Blachernenkirche bis zur Eroberung Konstantinopels durch die Kreuzfahrer (1204) jeden Freitag gefeiert wurde. In dieser Liturgie wurde die dort verehrte Reliquie des Schleiers Mariens über die Gläubigen ausgebreitet.

    [3] Die Kathedrale wurde von Zar Iwan dem Schrecklichen ab 1555 erbaut. „Basilius-Kathedrale“ ist nur ihr inoffizieller Name. Eine Kapelle Basilius’ des Seligen (1468-1552 oder 1557) wurde 1588 über seinem Grab errichtet. Seine Beliebtheit und Verehrung verdrängte den offiziellen Namen der Kathedrale. https://de.wikipedia.org/wiki/Basilius-Kathedrale

    [4] https://de.wikipedia.org/wiki/Maria,_Hilfe_der_Christen

    [5] https://de.wikipedia.org/wiki/Unter_deinen_Schutz_und_Schirm

  • Heimsuchung (Gedicht-Impuls)

    Heimsuchung Glasfenster Pluscarden

     

    Heimsuchung

     

    Als Elisabeth den Gruß Marias hörte,

    sprang ihr das Herz auf

    und sie wurde von Freude erfüllt.

    Ihr tanzten Stimme und Sprache.

     

    Welche Freude,

    dass du da bist, Maria.

    Du bringst Sein Ja

    in meine Tagesnacht.

     

    Ich sah nur die Schatten,

    jetzt sehe ich Licht.

    Botin des Sternes, Maria,

    Gesegnete und Segen.

     

    Albert Altenähr
    2015-12-17

    Foto: Glasfenster, Abtei Pluscarden

  • Maria - Aachens Schutzfrau

    Maria – Aachens Schutzfrau

    Dem Aachener ist es fraglos gewiss, dass neben dem großen Kaiser Karl die Muttergottes sich nicht mit dem minderen Rang einer Königin begnügen kann. Nein, „zu Aachen bist du Kaiserin.“ So weiß es der Aachener, so steht es fest.

    An der Straße ins belgische Eupen steht nahe der Grenze einer der alten Wachttürme des mittelalterlichen „Aachener Reiches“, erbaut um 1410. Der ursprüngliche Name „Wachtturm Brandenberg“ wurde - zunächst im Volksmund, später dann auch offiziell“ – zugunsten eines Namens ersetzt, der auf einen Bewohner „Laurentius“ hinwies. Daraus wurde „Linzenshäuschen“, heute „Alt Linzenshäuschen“.

    Alt Linzenshäuschen

    Ein Inschriftstein aus der Bauzeit nennt den hohen Titel „Maria Kaiserin“ und beschwört die Hoffnung, die die Stadt auf Maria setzt. Der Text lautet:

    Ave maria keiseri(n) /
    Du bis tzo aichen /
    eyn werdi(n)ne. Dich /
    besoict so me(n)nich /
    vre(m)dt Gast. u(n)da(n)c mois /
    he have(n) D(er) aiche(n) hast.

    Die Übersetzung ins heutige Hochdeutsch: „Ave Maria Kaiserin, du bist zu Aachen eine werdinne (- dazu im Folgenden die Diskussion -). Dich besucht manch fremder Gast. Undank muss haben / soll empfangen, der Aachen hasst.“

    In „Deutsche Inschriften Online“ (DIO)[1] wird werdinne als „Wirtin“ übersetzt. Begründet wird das mit einem Verweis auf Grimms Wörterbuch und mit einem allgemeinen Hinweis auf mittelalterliche Dichtungen, die Maria als Gastgeberin / Wirtin Jesu besingen, … wobei nachzuschauen wäre, ob da wirklich die Muttergottes Maria oder Maria von Betanien, die Schwester des Lazarus gemeint ist. Weil in unserer Inschrift auch der Gast auftaucht, sei „Wirtin“ der anderen Wortbedeutung „Herrin“ vorzuziehen.

    Ich stelle mir die Frage, ob werdinne= Wirtin nicht doch eine Falschübersetzung ist, die bewusst oder unbewusst stark das Faktum reflektiert, dass Alt Linzenshäuschen als Zollstelle und Ort der Pferdewechsel, als Rastplatz der Fußpilger von Eupen nach Aachen und schließlich als Gasthaus am Weg (und heute als Restaurant) bewirtschaftet wurde und wird. Als Aachener Neubürger wurde mir die Übersetzung „Wirtin“ mit entsprechenden Hinweisen schmackhaft gemacht.

    Die Übersetzung „Wirtin“ erscheint mir irgendwie zu „billig“. Sie kommt mir wie eine moderne Reklametafel vor: Aachen die „freundliche Stadt mit aixellenter Gastronomie“. Der Fluchgedanke, mit dem der Text ausklingt, passt dann so gar nicht zu der angepriesenen Gastfreundschaft der Stadt[2].

     Alt Linzenshäuschen Inschrift 2

    Ich versuche eine andere Spur. Die acht Wehrtürme vor den Toren der Stadt Aachen waren Zeichen der Wehrhaftigkeit. Sie waren „Warten“, Wachttürme, Schutzbefestigungen, die die Zugangswege zur Stadt überwachen sollten. Vielleicht könnte man die Sicherheitsschleusen und –kontrollen an Flughäfen als modernes Pendant so einer „Warte“ als Vergleich heranziehen. Die englische Sprache kennt in diesem Zusammenhang den „warden“, den Wärter / Wächter, die Franziskaner nennen ihren Hausoberen „Guardian“, das Militär kennt die „Garde“, und der Sport den „Torwart“. Sind wir mit diesen Begriffen vielleicht ganz nahe an unserem Wort “werdinne“? Maria, der „Torwart“ von Aachen, der verhindert, dass der Stadt übel mitgespielt wird?

    Ich bin kein Philologe, der die Geschichte eines Wortes entschlüsseln kann. So kann es durchaus sein, dass es vom alten „werdinnekeine textlich belegbare Brücke zum „Wärter“ gibt. Aber könnte nicht auch der alte Verfasser des Textes ähnlich sprach-assoziierend phantasiert haben, wie es mir in den Sinn kommt? Meine Lesart der Inschrift zielt auf die Betonung des Patronatschutzes, den die Aachener von Maria erhoffen und erwarten. Maria ist die Schutzherrin und Schutzfrau der Stadt.

    In die Form einer Bitte übersetzt, lautet die Inschrift an der „Brandenberger Warte“ dann in etwa:

    Ave Maria Kaiserin,
    für Aachen bist du Hüterin.
    Schick uns nur freundliche Gesichter,
    und bewahre uns vor Bösewichter(n).

     Albert Altenähr
    2016-11-26


    [1] http://www.inschriften.net/aachen-stadt/inschrift/nr/di032-0029.html#content

    [2] Die Inschrift lässt sich heute (Nov. 2016) schwer fotografieren. Zum einen liegt das Gebäude relativ hoch an einem Steilhang. Zum anderen verdeckt der Baumbewuchs den direkten Zublick. Im Sommer dürfte das Blattwerk der Bäume inzwischen die Inschrift mehr oder weniger ganz verbergen.

  • Mutter Gottes (Gedicht-Impuls)

    Maria bewahrte alles,
    was geschehen war,
    in ihrem Herzen
    und dachte darüber nach
    (Lk 2,19).

    Maria Krippenfigur 2015 12 840 x 630Maria, Unterberger-Krippe, Kornelimünster

     

    Mutter Gottes

     

    Sie kannte die Namen der Geschichte:

    Adam, Abraham, Mose, David,

    Eva, Sara, Mirjam, Ruth,

    und wie sie alle heißen.

     

    Dann der Engel mit der Botschaft,

    die Zweifel des Verlobten,

    Geburt im unbehausten Irgendwo,

    Engelsingen und Hirten aus dem Feld

     

    Maria verwahrte all das in ihrem Herzen,

    suchte den Zusammenhang,

    ließ es sinken in die Tiefe,

    lauschte sich hinab in Gottes Stille,

    dass der Wirrtraum schwinde.

     

    Es wirbelte in ihr das Fragen:

    Ein Spiel Ball in Gottes Hand, ich?

    Sie glaubte Gottes Liebeslied,

    und wurde selbst Gesang,

    Mensch im Einklang mit Gott

     

    „Er hat mich

    in seine Hand

    geschrieben.“

     

    So ging sie

    ihren Weg

    in Zuversicht.

     

    Albert Altenähr
    2015-12-30

cpr certification online
cpr certification onlinecpr certification online