Ansprache von Abt Friedhelm zur Oblationsfeier am 09. Januar 2016

Aus dem Prolog zur Regel unseres heiligen Vaters Benedikt und aus Kapitel 73:

Wer aber im klösterlichen Leben und im Glauben fortschreitet, dem wird das Herz weit, und er läuft in unsagbarem Glück der Liebe den Weg der Gebote Gottes! (RB Prolog 49)

und:

Wenn du also zum himmlischen Vaterland eilst, wer immer du bist, nimm diese einfache Regel als Anfang und erfülle sie mit der Hilfe Christi. Dann wirst du schließlich unter dem Schutz Gottes zu den oben erwähnten Höhen der Lehre und Tugend gelangen. (RB 73,8-9)

Liebe Oblatinnen und Oblaten, liebe Gäste, liebe Mitbrüder,

wir stehen am Vorabend des Festes der Taufe des Herrn. Haben wir in den letzten zwei Wochen das Geheimnis der Menschwerdung Jesu gefeiert, so stehen wir jetzt am Anfang seines öffentlichen Wirkens. Die Taufe als Anfang. Wir alle sind als Kinder getauft worden. Unsere Eltern und Paten haben uns hinein genommen in die Erfahrung ihres Glaubens. In der Geistessendung durch die Firmung haben wir persönlich Ja gesagt zu dieser Person Jesus Christus und dem dreifaltigen Gott, um ihm Raum zu geben in unserem Leben, um uns persönlich auf ihn hin auszurichten.

Wir Mönche haben in unserer Profess ganz bewusst das Taufversprechen vertieft, auf ihre Weise tun das die Oblaten und Oblatinnen, wenn sie sich durch das Versprechen an Gott und eine klösterliche Gemeinschaft binden. Auch das eine Vertiefung des Taufversprechens.

In den soeben gehörten Abschnitten aus der Regel Benedikts ging es um das Motiv des Weges: Anfang und Aufbruch und Ziel. Wir alle als „homo viator“, als Menschen unterwegs. Wir Mönche sind in Gemeinschaft unterwegs, die Oblaten meist alleine, sieht man von unseren beiden Ehepaaren ab. Und doch ist da die Bindung in der Gemeinschaft an das Kloster. Das gibt Unterstützung, Kraft und Orientierung. Das Kloster ist ein Ort der Rast und der Stärkung, der Neuorientierung und neuen Sendung. Als Oblaten haben Sie eine Sendung in der Kirche und in die Kirche hinein. Das ist kein großes Sprechen, kein Predigen mit Worten, eher eine Predigt ohne Worte, im Tragen des Alltags, im Tragen der Mitmenschen, im Tragen Gottes, der manchmal so rätselhaft ist. Und doch voller Hoffnung auf Ihn hin unterwegs. Für einen Weg bedarf es der Planung, der Ausrüstung, des Proviants und der Wegbegleitung. Es gilt ruhig zu schreiten, nicht hastig oder eilig, sonst geht die Puste zu schnell aus. Im Buch „Momo“ von Michael Ende heißt es: „Schritt, Atemzug, Besenstrich, Atemzug, Besenstrich. Dann kommst Du nicht außer Atem. Das ist wichtig.“ Und wer kann und mag, der nehme noch das Wort des heiligen Augustinus mit: „Singe, aber schreite aus!“ Mit einem Lied im Herzen oder auf den Lippen lässt sich mancher Weg besser bewältigen.

So unterwegs, tragen wir Jesus Christus in unsere kleine und große Welt hinein, werden wir seine Zeuginnen und Zeugen, geben Ihm Raum: Gottesgeburt hinein in unsere Welt, in unsere Kirche! Wer den Weg treu geht, dem gilt das soeben gehörte Wort aus der Regel: Er gelangt zu den Höhen des Himmels (vgl. RB 73,9).

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