Ansprache von Abt Friedhelm zur Oblationsfeier am 07. Januar 2017

Lesung: RB 19: Die Haltung beim Gottesdienst

Lieber Herr Hübner, liebe Frau Hübner,
liebe Oblatinnen und Oblaten, liebe Mitbrüder!

Sie, Herr Hübner, hatten als Vorschlag zur Regellesung die Kapitel 35 und 39 vorgeschlagen: Der wöchentliche Dienst in der Küche und Das Maß der Speise. Beide Kapitel haben Ihnen in der letzten Zeit geholfen, sind Sie doch zur Zeit als Rentner der Hausmann. Dann schickten Sie ein Geschichte über Gesang von Mönchen. Das führte mich zur Lesung von Kapitel 19: Die Haltung beim Gottesdienst. „Überall ist Gott gegenwärtig“, heißt es in Vers 1, „ganz besonders dann, wenn wir Gottesdienst feiern“, geht es in Vers 2 weiter. Gott ist überall gegenwärtig. Das erinnert an ein Wort, das der heiligen Theresia von Avila zugeschrieben wird. Sie sagt ihren Schwestern: „Ihr werdet Gott nicht finden, wenn ihr ihn nicht zwischen den Kochtöpfen findet.“ „Überall ist Gott gegenwärtig“ (RB 19,1). Das Gebet, die Feier des Gottesdienstes und die Arbeit sind nicht zwei voneinander getrennte Bereiche, vielmehr durchdringen sie einander unablässig. Wer nicht aufmerksam beim Gebet ist, ist ebenso unaufmerksam im alltäglichen Tun. Umgekehrt gilt das gleiche.

„Ora et labora“, dieses verkürzte benediktinische Motto - es fehlt noch die Lesung, ist kein „Entweder - Oder“, sondern ein „Sowohl als Auch“.
Im Gebet haben wir nur Augen für Gott.
Im Gebet haben wir nur Ohren für Gott.
Im Gebet erheben wir mit der Stimme unsere Herzen zu Gott.

Die Stimme ist nicht nur ein leibliches Organ, sie ist Organ unseres Herzens. Durch die Stimme kommt unsere innere Stimmung zum Ausdruck. Wer im Herzen schläft, kann keinen Gottesdienst feiern, wer ohne Herz singt und spricht, der gibt Töne und Laute von sich, erreicht und bewegt aber nicht das Herz Gottes. Die Feier des Gottesdienstes ebenso wie das persönliche Gebet erfordert ein hohes Maß an Aufmerksamkeit.

Mehr noch: Wir müssen uns vor Augen halten, dass das Gebet „vor dem Angesicht Gottes und seiner Engel“ (RB 19,6) gefeiert wird. Alles soll stimmig sein: Seele, Geist, Stimme, Herz, Leib. „Stehen wir so beim Psalmensingen, dass Herz und Stimme im Einklang sind“ (RB 19,7). Mit diesem Wort endet das kurze Kapitel über die Haltung beim Gebet. Im Lateinischen steht für „Einklang“ „concordia“: Da kommt das Herz wieder zum Tragen.

Dieser letzte Vers ist im Grunde Einladung in den weiteren Verlauf des Tages: Was Du tust, das tue von Herzen und mit Maß: Ob es Essen, Trinken, Gebet, Schlaf, Reden, Arbeit ist: Alles soll maßvoll und in innerer Übereinstimmung geschehen. Gebet, Arbeit und Lesung sind nicht voneinander getrennte Bereiche. Sie durchdringen und bestimmen einander, verlangen nach einer inneren Ausgeglichenheit und Harmonie.

Mit der gleichen Achtsamkeit wie wir beten, sollen wir mit den alltäglichen Dingen umgehen. Im Kapitel über den Cellerar heißt es: „Alle Geräte und den ganzen Besitz des Klosters betrachte er als heiliges Altargerät“ (RB 31,10).

Wo wir sind, was wir tun oder lassen: „Überall ist Gott gegenwärtig“. Dieses Bewusstsein soll uns prägen als Christen, Oblaten und Mönche.