Gedanken zur Oblationsfeier am 6. Januar 2007

„Lasset uns mit euch gehen, denn wir haben gehört: Gott ist mit euch“ (Sach 8,23)

Sacharja 8,20:

So spricht der Ewige der Heerscharen: Wiederum sollen Völker kommen und Bewohner vieler Städte. 21 Und zusammen treten die Bewohner dieser und jener (Stadt) und sprechen: Lasset uns gehen, zu flehen vor dem Angesichte des Ewigen und zu sehen den Ewigen der Heerscharen. Auch ich will gehen! 22 Und es kommen viele Völker und zahlreiche Nationen, den Ewigen der Heerscharen zu suchen in Jeruschalajim, und zu flehen vor dem Angesichte des Ewigen. 23 So spricht der Ewige der Heerscharen: In selbigen Tagen sollen anfassen zehn Männer aus allen Zungen der Völker, ja dass sie anfassen den Rockzipfel eines jehudischen Mannes, und sprechen: Lasset uns mit euch gehen, denn wir haben gehört: Gott ist mit euch. (Übersetzung: Leopold Zunz, Sinai Verlag, Tel-Aviv).

Ich habe für unsere Oblationsfeier am Fest der drei Könige als biblischen Lesungstext einen Abschnitt aus dem Prophetenbuch Sacharja (um 520 v.Chr.) gewählt. Der Prophet spricht in die mühsame Zeit nach der babylonischen Gefangenschaft hinein. Die Gemeinde der Heimkehrer muss sich neu finden, das alte Erbe wiedergewinnen und sich religiös neu definieren. Das Damals ist nicht so verschieden von unserem Heute. Es geht um Zukunftssuche und Zukunftsmut.

Der Prophet sieht die Gegenwart und traut sich, sie als Chance der Zukunft zu deuten. Da ist wohl viel Unglaube, altes und neues Heidentum. Aber da ist auch viel Sehnsucht und Suchen unter den Völkern. So stark der Unglaube zu sein scheint, stärker scheint dem Propheten die Suchbereitschaft zu sein. Ihr zu antworten, ruft er auf.

Der Prophet mauert sich darum nicht ein in den Festungsturm eigener Richtiggläubigkeit, sondern er predigt die offene Stadt, deren Mitte der Ewige der Heerscharen ist. Er gibt der Stadt Profil und Sicherheit von innen her. Der Ewige der Heerscharen weitet den Blick und schenkt den Mut zur Offenheit.

An unserer Stelle fordert der Prophet nicht zu missionarischem Aktivismus auf. Er ist viel mehr davon überzeugt, dass dort, wo das eigene Bekenntnis profiliert gelebt wird, die Kraft der Anziehung groß wird. Voll Glaubensüberzeugung bekennt sich der Prophet zu Jeruschalajim und zu Jehuda. Unaufgeregt steht er da und glaubt an die Ausstrahlung, die sein Gottesglaube in sich trägt.

Der Prophet weiß, dass er die anderen neugierig macht. Sie fragen sich, was ist an ihm dran, dass er etwas ausstrahlt. Was ist sein Geheimnis? Was ist seine Mitte, seine Kraft? Da ist doch was! Davon möchten wir auch ein Zipfelchen ergreifen. „Lasset uns mit euch gehen, denn wir haben gehört: Gott ist mit euch.“

Liebe Mitbrüder und Oblaten! Was ich hier aus dem Sacharja-Text in unsere benediktinische Situation andeutend übersetzen will, ist dies: Je tiefer das Mönchsein, das Oblaten- und Christsein uns selbst erfasst, desto unmittelbarer ist es werbend und lockend. Wir werden zu Buchstaben, Worten, Sätzen der Frohen Botschaft. Jeder von uns ist gerufen, an seinem Ort er selbst zu sein: Mönch, Oblate, - und darin ganz einfach: Christ.

Papst Leo der Große († 461) hat uns am Morgen in einer Predigt zum Epiphaniefest zugesprochen: „Wir wissen, was geschieht, seit die drei Weisen aus der Ferne gerufen wurden und der Stern sie zum König des Himmels und der Erde führte, ihn zu erkennen und anzubeten. Der Dienst des Sternes ruft auch uns zur Nachfolge: dass wir mit allen Kräften dieser Gnade dienen, die alle zu Christus einlädt. In diesem Streben, Geliebte, sollt ihr alle euch gegenseitig helfen.“

Abt Albert Altenähr OSB
2007-01-06

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