Ansprache zur Oblationsfeier am 5. Januar 2013 im Anschluss an die erste Vesper vom  Fest der Erscheinung des Herrn

„Wir haben also den Herrn befragt, wer in seinem Zelte wohnen darf“ (RB Prol 39–44)

Aus dem Prolog zur Regel unseres heilige Vaters Benedikt:

Brüder, wir haben also den Herrn befragt, wer in seinem Zelte wohnen darf, und die Bedingungen für das Wohnen gehört. Erfüllen wir doch die Bedingungen eines Bewohners! Wir müssen unser Herz und unseren Leib zum Kampf rüsten, um den göttlichen Wei-sungen gehorchen zu können. Für alles, was uns von Natur aus kaum möglich ist, sollen wir die Gnade und Hilfe des Herrn erbitten. Wir wollen den Strafen der Hölle entfliehen und zum unvergänglichen Leben gelangen. Noch ist Zeit, noch sind wir in diesem Leib, noch lässt das Licht des Lebens uns Zeit, all das zu erfüllen. Jetzt müssen wir laufen und tun, was uns für die Ewigkeit nützt.

Wir haben gerade die erste Vesper des Hochfestes der Erscheinung des Herrn gefeiert. Ich wage die alte Bezeichnung „Dreikönige“. In unserer Mitte sind drei Frauen, die sich auf den Weg machen wie die Weisen aus dem Morgenland. Eine bindet sich an unsere Gemein-schaft durch die Oblation, zwei bitten um Aufnahme in das Probejahr. Welche Erfahrungen mögen Sie gemacht haben, dass Sie sich auf den Weg machen? Welchem Stern folgen Sie? Was hoffen Sie zu finden, wen hoffen Sie zu finden?

Die Weisen bringen Gold, Weihrauch und Myrrhe als Geschenke mit. Was haben Sie im Gepäck für Ihn? Das Gold wird traditionsgemäß dem König geschenkt, der Weihrauch der Gottheit, die Myrrhe weist auf das Begräbnis hin. Ein wenig möchte ich auf die Myrrhe eingehen, nicht als Hinweis zum Tod, vielmehr als Hinweis zum Leben. Soeben haben wir den Tages-abschnitt aus dem Prolog der Regel Benedikts gehört. „Erfüllen wir doch die Pflichten eins Bewohners.“ Die Pflicht, der Alltag, das oft Monotone und Gleichförmige: Diesen Alltag gilt es zu heiligen, als Myrrhe dem Kind in der Krippe zu schenken. Das ist nichts Spektaku-läres, das ist nichts besonders Frommes oder Heiliges. Es ist etwas ganz Normales. Ob wir Ordenschristen sind, ob wir Oblaten sind, ob wir „ganz normale“ Christen sind: Es gilt das Gegebene zu tun. Das Gegebene ist immer das Aufgegebene: Die Ehe, die Familie, der Be-ruf. Wie oft mögen wir da ausbrechen wollen, wie oft geht uns dieser Alltag auf die Nerven, wie oft fahren wir aus der Haut und schimpfen über uns oder die anderen. „Noch sind wir im Leib“, hieß es soeben in der kurzen Lesung, „noch lässt das Licht des Lebens uns Zeit.“

Das Licht des Lebens ist Jesus Christus, dessen Erscheinen wir feiern. Auch er hat viel Alltag gelebt, unspektakulär, unbemerkt, alltäglich. So ist er herangereift und zu dem geworden der sich hingab an Gott und die Menschen: Oblatus est, Opfergabe geworden für uns.
Sich einüben in den Alltag, das ermöglicht ihn zu heiligen, ihn trans-parent werden zu lassen auf Gott hin. Wenn wir uns darum täglich neu mühen, dann werden wir verändert, dann werden wir geheiligt, dann werden wir immer mehr die, als die wir von Gott her gedacht sind.
Ich ermutige Sie, dem Stern zu folgen, der Sie nach hier gelockt hat, der Sie nach hier geführt hat. Geben Sie dem Kind Ihr Bestes, geben Sie sich ihm hin. In dem Maße Sie das tun, werden Sie immer mehr die, als die Sie von Gott her gedacht sind. Der benediktinische Weg ist ein Weg zu Gott zu finden. Gehen Sie ihn mit ganzem Herzen, mit ganzer Entschlossenheit und Hingabe. Sie werden frei werden und Den finden, der Sie gerufen hat.

Abt Friedhelm Tissen OSB
2013-01-05

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