Engagement von innen heraus

Gedanken im Anschluss an ein Gespräch am Oblatennachmittag (27.07.2002)

Engagement von innen heraus

Es lässt sich recht leicht ausmachen, was die klösterliche Gemeinschaft für die Oblaten tut, die sich an dieses Kloster gebunden hat. Die Oblaten finden eine geistliche Heimat in der benediktinischen Frömmigkeit, so wie diese konkret in ihrem Kloster gelebt wird. Sie erhalten eigens für sie bestimmte Anregungen für das geistliches Leben in ihrem Alltag. „Das Kloster selbst bietet Einkehrtage, regelmäßige Kontakte durch Rundschreiben und eine kontinuierliche geistliche Begleitung an und wird seinerseits durch die Verbundenheit mit  seinen Oblaten auf vielfältige Weise beschenkt.“ – so sagt es das Faltblatt der Arbeitsgemeinschaft Benediktineroblaten im deutschen Sprachraum. Was das Kloster gibt, lässt sich deutlich ausmachen. Weniger augenfällig ist das, was die Oblaten der klösterlichen Gemeinschaft schenken, der sie sich verbunden haben. Sicherlich gibt es vielfältige Möglichkeiten, sich im Kloster selbst oder für das Kloster einzusetzen. Diese Möglichkeiten stehen auch anderen offen und werden oft auch von Freundes- oder Förderkreisen wahrgenommen. Was einen Oblaten ausmacht, ist seine Bindung an das Kloster in der Oblation. Sie bestimmt gerade auch das Dasein für das Kloster und gibt dieser ihre eigentümliche Form.

Ein richtiger Fußballfan wird sich fanatisch für „seinen“ Verein einsetzen. Er wird so schnell nichts auf diesen Verein kommen lassen. Dennoch bekommt sein Einsatz noch einmal eine andere Qualität, sobald er selbst Mitglied dieses Vereins ist. Wer Mitglied eines Fördervereins eines Klosters wird, trägt das Anliegen dieses Klosters in der Sache mit. Durch sein Engagement zeigt er auch nach außen, dass ihm das Kloster etwas wert ist. Oblaten gehen noch einen entscheidenden Schritt weiter. Sie binden sich „an die von ihnen gewählte Klostergemeinschaft, an deren Gebet und Auftrag sie in Zukunft teilhaben“ – so das Faltblatt Benediktineroblaten. Oblaten sind in ihrem Inneren berührt, wenn es um ihr Kloster geht, dem sie verbunden sind. Oblaten schätzen nicht nur ihr Kloster oder bestimmte Aspekte des klösterlichen Lebens. Sie gehören dazu, sind auf ihre Art ein Teil der klösterlichen Gemeinschaft. Das bestimmt ihr Eintreten für ihr Kloster in den Begegnungen ihres Alltags. Sie strahlen von innen heraus in die Welt und geben Zeugnis in der Welt.

Oblaten tun dies aus innerster Überzeugung, die oft einen Weg in das innere eines anderen bahnen kann, der so vom Zeugnis angerührt wird. In unserer Gesellschaft gilt klösterliches, benediktinisches Leben heute wohl als eine, vielleicht etwas exotische Möglichkeit zu leben unter vielen anderen. Ihm wird eher indifferentes Wohlwollen und auch Neugier entgegengebracht als Unverständnis oder Ablehnung. In der Begegnung mit einem Menschen, der sich auf ein benediktinisches Leben eingelassen hat, wird aus einer vagen Möglichkeit eine konkrete Wirklichkeit, die anrührt und vielleicht auch Fragen an das eigene Leben stellt.

Auch die Begegnung der Oblaten mit der von ihnen gewählten Klostergemeinschaft wird vom Gefühl der Zugehörigkeit bestimmt sein. Einerseits können Oblaten ihre Erfahrungen aus ganz anderen Lebenskreisen in ihr Kloster einbringen, andererseits werden sie dies immer als solche tun, die davon im Innern betroffen sind. Ein Oblate gibt sich selbst anders in eine Begegnung im Kloster hinein als etwa ein Gast, der zum erstenmal da ist. Auch die klösterliche Gemeinschaft ist vom Wort eines Nahestehenden stärker betroffen. Das gibt einer solchen Begegnung ihre eigene Spannung.

Das Engagement der Oblaten aus ihrer Verbundenheit heraus ist eine innere Haltung und weniger augenfällig als etwa Einkehrtage oder Rundbriefe, die das Kloster den Oblaten anbietet. Das Geschenk der Oblaten will ausgepackt werden, damit es wirklich angenommen werden kann. Das Zeugnis der Oblaten in ihrem Alltag wird die klösterliche Gemeinschaft selbst nur selten unmittelbar erfahren, da es in der Regel außerhalb des Klosters in ganz alltäglichen Situationen der Oblaten geschieht. Es ist Aufgabe der klösterlichen Gemeinschaft, sich das Geschenk des Zeugnisse immer wieder bewusst zu machen: Es gibt Menschen, die stehen in ihrem Alltag für uns sein, weil sie sich uns verbunden haben.

Die Bindung der Oblaten an das benediktinische Leben, wie sie es in ihrem Kloster erfahren, ist  ein deutliches Ja zu diesem Leben. Über die Gemeinschaft der Nonnen oder Mönche hinaus, gibt es noch weitere Menschen, die so verrückt sind, sich auf dieses Leben einzulassen. Wenn sich die klösterliches Gemeinschaft dieses bewusst macht, strahlt das Ja der Oblaten zu ihrer Lebensform auch in die Gemeinschaft hinein. Es kann die Gemeinschaft in ihrem Leben bestärken und mittragen.

Oliver J. Kaftan OSB
2002-07-28

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