Kloster und Oblaten: Wechselseitige Fruchtbarkeit

Kloster und Oblaten

Wechselseitige Fruchtbarkeit

In seinem Buch Blessed Simplicity (Seabury, 1982) weist Raimundo Panikkar darauf hin, dass, wenn wir das Wirkliche sehen und lieben würden, es zuallererst ein Zerbrechen, einen Bruch, eine Conversio der Traumgespinste geben müsste. Obwohl wir im Glauben wissen, dass dieser Bruch immer eine Antwort auf Gottes Initiative in unserem Leben ist, müssen wir noch die schmerzlichen Verluste durchleiden, die er mit sich bringt. Diese ziemlich theoretische Sprache bekommt eine sehr scharf-schmerzliche Schneide, wenn wir selbst mit Umständen konfrontiert werden, die unsere innerste Identität zu Bruch gehen zu lassen scheinen, - die uns von den Brüdern und Schwestern isolieren, - die uns ins unpopuläre Zeugnis rufen und/oder die alles auf den Kopf stellen, was uns in der Vergangenheit lieb und teuer war. Trauen wir uns, miteinander - Mönch mit Mönch, Oblate mit Oblate - diese schmerzlichen und zerreißenden Feuer in unseren Herzen zu teilen, so dass wir gemeinsam den Kern des Geistes entdecken, der in uns allen wirkt?

Lassen Sie mich eine persönliche Geschichte erzählen. Nachdem ich im Lauf der Jahre ein „regelmäßiger“ Gast in Valyermo geworden war, bekam ich auch die „Geschichten“ der Mönche zu hören – nicht so sehr die Geschichten ihrer Geschichte und ihrer Berufung, sondern die Geschichten ihres Lebens miteinander in der Kommunität. Damals war ich überrascht zu erfahren, dass das Leben in der Mönchsgemeinschaft so schwierig sei. Inzwischen weiß ich, dass viele Klosterleute die Beobachtung gemacht haben, dass der schwierigste Aspekt des Lebens „meine Brüder/Schwestern“ ist. Joan Chittisters Bemerkung in Fire in theses Ashes ist wahr: Jedes Kloster ist ein brodelnder Kessel genau jener Probleme, die auch in unserer Gesellschaft insgesamt vorhanden sind –- der Eifersüchteleien, - der unvergebenen Verletzungen, - der Ärger und der kleinen Stiche. Jedes unaufgearbeitete psychologische Problem wird früher oder später auftauchen und die ganze Vielfalt menschlicher Fragen spielt sich im Kloster aus –- ja, dort sogar besonders intensiv, weil die klösterliche Welt sie konzentriert.

Als mir das für mein Heimatkloster klar wurde, war ich zuerst echt entsetzt. Schließlich war ich doch in das Kloster gegangen, um genau diese Probleme in meinem eigenen Leben los zu werden. Das Kloster war mein Ort des Friedens und der Ruhe, - der Ort, wo ich „bruchlos heilig“ sein konnte. Ich hätte es vorgezogen, nur gelegentlicher Gast geblieben zu sein, der nichts von dem mitbekommt, was wirklich vor sich geht.

Dann habe ich aber darüber nachgedacht. Und mir wurde klar: Wenn die Mönche Gott selbst mitten in ihren neurotischen und sündigen Neigungen suchen konnten, dann konnte ich das auch. Wenn ihr Zuhause heilig war (und ich wusste, dass es das war), selbst wenn es so viel Streit und Zank darin gab, dann konnte auch mein Zuhause heilig sein.

Mit der Zeit habe ich das wahre Geschenk des Klosters an mich schätzen gelernt. Es ist nicht in erster Linie so etwas wie ein Flucht- oder Pausenort für meine eigenen Kämpfe. Das benediktinische Geschenk ist vielmehr die andauernde Sehnsucht nach Gott – selbst und gerade in den täglichen Auseinandersetzungen. Gott trifft mich besonders zuverlässig in den Knackpunkten meiner Versuchungen, Selbstzweifel und Verdrießlichkeiten. In diesem Sinn sind die Erinnerungen an meine Geschöpflichkeit nicht Anstöße zur Entmutigung und Verzweiflung, sondern im Gegenteil Zeichen einer tieferen Einladung, das Leben hier und jetzt im Leben Christi selbst zu leben. Durch das Zeugnis ihres Gelübdes steter Conversatio ermutigen mich die Mönche, an meine eigene Sehnsucht nach Gott zu glauben. Und manchmal kann ich dieses Geschenk ihnen zurückschenken, indem ich sie an die Sehnsucht in der Tiefe ihrer Herzen erinnere.

Die Berufung, die aus dem einzigartigen benediktinischen Gelübde zum Zeugnis und der Conversatio erwächst, ist nicht, Menschen der Vollkommenheit zu sein, sondern solche, die auf dem Weg sind. Unsere Berufung zielt nicht nach Freiheit von Sorgen, sondern darauf, schmerzlich herausgefordert und leidenschaftlich engagiert zu sein. Unsere Berufung ist nicht die Sicherheit, nicht einmal, „erfolgreich“ zu sein, sondern verrückt nach Christus zu sein, denn wir sind Menschen, die bereit sind (oder es zumindest versuchen), sich auf den lebendigen Gott gestern heute und morgen zu verlassen. Und das ist in sich ein helles Zeugnis für die Welt, in der wir leben.

Ich bin der Auffassung, dass Mönche / Nonnen und Oblaten füreinander fruchtbar sein können – nicht einfach nur, indem sie sich gegenseitig Unterstützung und Ermutigung geben, obwohl auch das sicherlich wichtig ist. Die Fruchtbarkeit füreinander kann darüber hinaus ein Teilen der Berufung sein, sich gegenseitig in der schwierigen Aufgabe zu helfen, die Gott in dieser Zeit den Benediktinern stellt: dass sie – Mönche / Nonnen und Oblaten gemeinsam – ein Zeugnis und eine Herausforderung für unsere Gesellschaft als ganze sind. Durch unsere Bereitschaft, für Gott offen zu sein und von ihm verwandelt zu werden, sind wir ein Vorbild für unsere Gesellschaft und die wesentliche Aufgabe, in das neue Jahrtausend zu gehen.

 Zusammen nehmen wir die so kostbaren benediktinischen „Werkzeuge“ zur Hand:

  1. In der Welt, aber nicht von der Welt sein: ein Standpunkt an den Rändern, der gefüllt ist mit Gebet.
  2. Das Risiko personalen Schmerzes und innerer Tode annehmen, die kommen, wenn man das Wirkliche in den Blick gewinnt.
  3. Hoffnung und Vertrauen haben, dass Gott in allen Verlusten neues Leben schenken kann.
  4. Zeugnis geben für das, was wir sehen, - bisweilen in einem sehr verschieden gelebten Zeugnis, aber immer in einer Gemeinschaft der Liebe.
  5. Das Genannte praktizieren und für diesen Weg des Seins eintreten in all unseren Beziehungen.

Norvene Vest
Vortrag bei der Tagung der Nordamerikanischen Oblatenrektoren Juli 1999

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