Geistliches Wort Evensong 30.11.2025
"Tröstet, tröstet mein Volk“. Ein uraltes Wort der Zuwendung und Zuversicht. Wer mag dabei nicht an die entsprechende Arie aus dem „Messias“ von Georg Friedrich Händel gedacht haben. Trost gibt in Traurigkeit Halt und Festigkeit: Eine Umarmung, ein Blick, ein Wort. Gott tröstet sein Volk in der Zeit der Verbannung, einer Zeit, die das Volk entfernt hat von Jerusalem und seinem Tempel – aber nicht von seinem Gott! In der Ferne, in der Entfremdung, gib es ganz neue Erfahrungen der Gegenwart Gottes. Sie ist an keinen Raum, an keine Gebäude gebunden.
In der Ferne büßt das Volk Israel für seine Untreue, die es so oft seinem Gott gegenüber gezeigt hat. Es musste die Erfahrung der Trennung machen, um neu erfahren zu können, dass Gott sich ihm trotz allem zuwendet. Gott ist treu, Gott ist stark, Gott schenkt Zuversicht, ER schenkt Trost
Wir feiern den ersten Advent. Wir dürfen die Trostbotschaft hören, dass Gott sich uns zuwendet. Immer wieder kehren auch wir uns von ihm ab, immer wieder dürfen wir hören: Tröstet, tröstet mein Volk. Aus dieser Verheißung des Trosts heraus dürfen wir uns ihm immerneu zuwenden – voll Vertrauen und Hoffnung. Wir erwarten seine „Wiederkunft“ in Herrlichkeit. Der Advent ist keine heimelige Erinnerungszeit an etwas Vergangenes; sie ist Zeit der Erwartung auf den hin, der uns bei seinem endgültigen Kommen heimholen will zu sich, in sein himmlisches Reich, sein himmlisches Jerusalem.
Trost, Stärkung durch Gott – das enthebt uns nicht der Erfahrung, dass unser Leben oft von Mühsal und Last geprägt ist. Der Alltag, der Trott, die Widrigkeiten des Lebens – und nicht zuletzt die täglichen Botschaften von Krieg und Zerstörung, von unmenschlichem Umgang der Menschen miteinander, der Zerstörung von Gottes bunter und reicher Schöpfung. Trotz all dem gilt: „Ihr werdet Ruhe finden für eure Seele.“ Ruhe finden – in der Hektik des Alltags, in der Ungewissheit der Zukunft, in der Entfremdung zwischen Gott und den Menschen.
Ja, das Leben ist ein Last, ein Bürde die geschultert werden möchte. Es ist nicht selten eine große Herausforderung. Wir dürfen sie annehmen, wir dürfen sie schultern in der Gewissheit: Wir sind nicht allein, Jesus Christus geht mit uns. Er ist uns den Weg voraus gegangen, er hat für uns durchlebt und durchlitten, was vor uns liegt.
Wir dürfen und sollen uns immer neu entscheiden, dem Ruf des Lebens, dem Ruf des Lebendigen zu folgen. Das kostet Kraft, das kostet Überwindung - und das schenkt uns Leben und Zukunft.
Tröstet mein Volk – nehmt euer Joch auf euch: Ich gehe mit euch alle Tage eures Lebens, alle Tage dieser Welt, bis alles verherrlicht wird in dem und durch den alles ist.


