Am 14. September 2014 jährt sich für Kornelimünster zum 70. Mal das Ende des zweiten Weltkriegs. Erst fünf Wochen später (21. Oktober 1944) fiel die Stadt Aachen. In der "öffentlichen" Erinnerung - auch Kornelimünsters - spielt der 14. September praktisch keine Rolle. Im Kloster hat P. Gregor Kerst als Erzähler erlebter Geschichte(n) die Erinnerung lebendig erhalten. Solches Erzählen "alter Geschichte(n)" ist ein wichtiger Dienst unserer alten Mitbrüder an der "Stabilitas" der Gemeinschaft.

 

14. September 1944

aus den „Erinnerungen an das Kriegsende 1944 in Kornelimünster“ von P. Gregor Kerst OSB (1994)

 

14. September, Kreuzerhöhung – nichts von Eröffnung der Kornelioktav. Propst Gerson und Kaplan Königs waren in unserem Haus. Ein deutscher Soldat wurde ins Haus gebracht, gefunden am Entenplatz mit weggeschossener Kinnlade. Im Keller hat er noch bis zum Abend gelebt. Ein zweiter Schwerverwundeter: ein Zivilist … war trotz Verbots im Kreuzgang, als in einem unserer Lindenbäume im Binnenhof eine Granate einschlug. Ein Granatsplitter durchschlug ein Kreuzgangfenster, traf diesen Mann, so dass ein Bein abgeschlagen wurde. Auch er hat im Keller gelegen und ist an dieser schweren Verletzung am Abend gestorben. Die Amis, die gegen 16.00 Uhr in unser Haus kamen, haben nach Verwundeten gefragt – unser Haus war auf dem Dach und auf den Wiesen vor und hinter dem Haus als Lazarett kenntlich mit „Roten Kreuzen“ – und sie besucht. Helfen konnten sie nicht mehr“ (S.15).

2014-09-14 Schutzraum-Pfeile
Noch heute am Altgebäude des Klosters sichtbar: Pfeile, die im Krieg auf Schutzräume aufmerksam machen sollten.

15. September: Obwohl noch Frontgebiet … bewegten wir uns an diesem Tag schon ganz frei. Wir haben zunächst einmal rund ums Kloster Umschau gehalten. Auf der Haus- und großen Obstwiese[1]war unser Vieh draußen gewesen und (noch dort). Drei Kühe waren dem Beschuss (er war nicht allzu stark) zum Opfer gefallen und wurden an Ort und Stelle begraben. Unser Haus hatte kaum Schaden genommen (nur Fensterscheiben waren zu Bruch gegangen. Die in der Linde (siehe oben) eingeschlagene Granate hatte den Baum stark mitgenommen. Der Hauptstamm war abrasiert, man kann das noch heute feststellen. Licht- und Wasserzufuhr waren unterbrochen. …“ (S. 17).

 

2014-09-14 Linde im Binnenhof
Heutiger Kronenansatz der im Beitrag genannten Linde.

 


[1] Heute steht dort die Kirche, ferner umfasste diese Wiese den jetzigen Kirchenparkplatz und die sich daran anschließende Wiese zu BauerHollands.

 

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