Unsere Kongregation

Wappen PAXGrundsätzlich ist jedes Benediktinerkloster selbständig. Jedoch gehört heutzutage bis auf wenige Ausnahmen jedes Benediktinerkloster einer der insgesamt neunzehn Kongregationen an. Die benediktinischen Kongregationen sind in der Benediktinischen Konföderation mit dem Abtprimas an der Spitze zusammengeschlossen.

Die Abtei Kornelimünster gehört der Kongregation von Subiaco und Montecassino an, der größten der benediktinischen Kongregationen mit Häusern in allen Erdteilen. Unsere Kongregation hat ihre Kurie im Kloster S. Ambrogio in Rom. Oberer unserer Kongregation ist der Abtpräses. Dieses Amt hat seit 2016 Guillermo L. Arboleda Tamayo OSB inne. Unsere Kongregation ist in acht Provinzen unterteilt. Nach der Schließung der Abtei Michaelsberg in Siegburg, die bis dahin mit unserer Abtei die deutsche Pro-Provinz innerhalb unserer Kongregation gebildet hat, gehört unsere Abtei, zunächst noch probeweise, zur englischen Provinz unserer Kongregation.

Abtpräses Guillermo L. Arboleda Tamayo OSB | Foto: Congregazione Sublacense Cassinese O. S. B. Die Benediktsregel kennt nur selbständige Einzelklöster mit einem Abt als Oberen. Zusammenschlüsse von Klöstern kennt sie nicht. Das Zweite Buch der Dialoge Papst Gregor des Großen, die legendarische Lebensbeschreibung unseres Ordensvaters Benedikts von Nursia, erwähnen, dass sich zu Lebzeiten Benedikts Klöster untereinander geholfen haben und Benedikt um Rat gefragt wurde, jedoch hatte Benedikt gegenüber den von ihm gegründeten Klöstern bestenfalls eine Ehrenvorrangstellung. Er hat keinen Verband von Klöstern ins Leben gerufen und war nie den Äbten der Einzelklöster als Oberer übergeordnet wie es in den von Pachomius gegründeten Klöstern der Fall war.

Neben gegenseitiger Hilfeleistung und gegenseitiger Gastfreundschaft gab es erste rechtliche Zusammenschlüsse von Klöstern erst ab dem 7. Jahrhundert. Klöster gründeten Gebetsgemeinschaften und verpflichteten sich für einander und für verstorbene Mitbrüder zu beten. Außerdem gab es Schlichtungsinstanzen, die bei Streitigkeiten von Klöstern untereinander tätig wurden, und die einzelnen Klöster verpflichteten sich, solche Schlichtungssprüche anzuerkennen.

Die Synode von Aachen (816) legte die Benediktsregel als alleingültige Mönchsregel für alle Klöster im Frankenreich fest. Damit entstand zwar noch kein Orden und keine Kongregation, doch liegt hier die Wurzel der Bildung benediktinischer Kongregationen als Zusammenschluss von Klöstern, die der gleichen Regel und der gleichen Observanz folgen.

Eine weitere Grundlage auf dem Weg zur Bildung benediktinischer Kongregationen war das Eigenkirchenwesen. Gründete ein Stiftsherr ein Kloster, behielt er Einfluss in seiner Gründung und in deren Tochtergründungen. Gleiches galt, wenn ein Kloster ein neues Kloster stiftete. Mit dem Klosterverband von Cluny ist über dieses Eigenkirchensystem erstmals eine Vereinigung von Klöstern entstanden, die alle der gleichen Regel und Observanz folgten und dem Abt von Cluny als oberstem Leiter des Klosterverbandes unterstanden.

Die benediktinischen Zweig- und Reformorden (Kamaldulenser, Olivetaner, Silvestriner, Vallombrosaner, Zisterzienser, Trappisten) bildeten seit ihrer Gründung eigene Kongregationen. Der Weg der übrigen Benediktinerklöster hin zur Vereinigung in Kongregationen brauchte dagegen den Anstoß durch die kirchliche Autorität. Das Vierte Laterankonzil (1215) verpflichtete zwar in der Bulle In singulis alle Klöster zur Bildung von Kongregationen und regelmäßigen Versammlungen der Äbte, doch wurde die Bestimmung nicht konsequent umgesetzt. Papst Benedikt XII. wiederholte diese Verpflichtung in seiner Bulle Summa Magistra, doch dauerte es bis zum Konzil von Trient (1545–1563) bis die Verpflichtung zum Zusammenschluss in Kongregationen allgemein umgesetzt wurde.

Die Wurzeln der Kongregation von Subiaco und Monte Cassino liegen im Italien des 15. Jahrhunderts, einer Zeit, in der die monastische Observanz in den Klöstern beklagenswert war und die kirchliche Autorität auf Reform drängte. Daher wurde Ludovico Barbo im Jahr 1408 von Papst Gregor XII. zum Abt des Benediktinerklosters Santa Giustina in Padua ernannt, dessen Reform er angehen sollte. Tatsächlich schaffte es Barbo die monastische Observanz in diesem Kloster wiederherzustellen. Das Kloster übte eine solche Anziehung auf den monastischen Nachwuchs aus, dass es die Zahl der Mönche bald erlaubte, Brüder in andere Klöster auszusenden, um die Observanz von Santa Giustina dort einzuführen. Diese Klöster schloss Papst Martin V. im Jahr 1419 zur Congregatio monachorum de observantia S. Justinae zusammen. Als die Abtei Monte Cassino der Kongregation beitrat, wurde der Name in Congregatio Casinensis (Kongregation von Monte Cassino) geändert. Die Kongregation war kontemplativ ausgerichtet. Ihr gehörten nur Klöster innerhalb Italiens an.

Pietro Casaretto OSB (1810-1878), Begründer der Kongregation von Subiaco und Monte Cassino | Foto: Archiv der Kongregation von Subiaco und Monte CassinoMit der Zeit ließ jedoch auch in dieser einstigen Reformkongregation die monastische Observanz nach und mit Pietro Casaretto begann die Reform der Reform. Casaretto trat 1827 in das Benediktinerkloster S. Maria del Monte in Cesena ein, das zu Kongregation von Monte Cassino gehörte. 1832 wurde er zum Priester geweiht. Die Mönche von S. Maria del Monte betreuten damals die S. Martino in Pegli, als deren Pfarrer Casaretto 1842 ernannt wurde. Im dortigen Pfarrhaus begründete Casaretto 1843 eine monastische Gemeinschaft, deren Lebensweise Casaretto den ursprünglichen Idealen von Ludovico Barbo anpassen wollte. Ende 1843 zählte die neue Gemeinschaft bereits zehn Mönche. Im Jahr 1844 zog die Gemeinschaft in die ehemalige Kartause S. Giuliano d’Albaro in Genoa um, und Casaretto wurde ihr Abt. Die Kernpunkte der Reformobservanz schrieb Casaretto in achtzehn Artikeln nieder. Er betonte die Bedeutung des Gemeischaftslebens und der persönlichen Armut der Mönche. Papst Pius IX. ernannte Casaretto im Jahr 1850 zum Abt des Benediktinerklosters S. Scolastica in Subiaco, das der Tradition nach von Benedikt von Nursia selbst gegründet worden ist. So hielt die Reformobservanz Casarettos Einzug in eines der bedeutendsten Benediktinerklöster. Außerdem übernahmen weitere Klöster die Reformobservanz Casarettos. Innerhalb der Kongregation von Monte Cassino wurden sie in der Provinz von Subiaco zusammengeschlossen. 1858 wurde Casaretto zum Abtpräses der Kongregation von Monte Cassino gewählt.

Die Provinz von Subiaco entwickelte sich zu einem Fremdkörper innerhalb der Kongregation. Der Kongregation gehörten bis dahin nur kontemplativ ausgerichtete Klöster in Italien an. Zur Provinz von Subiaco gehörten Klöster aus verschiedenen Ländern. Außerdem wurden die Mönche der Provinz missionarisch tätig. Daher trennte sich 1867 die Provinz von Subiaco von der Kongregation von Monte Cassino und bildete unter dem Namen Congregatio Casinensis a primaeva observantia (Kongregation von Monte Cassino der ursprünglichen Observanz) eine neue Kongregation, deren erster Generalabt Casaretto wurde. Ideal der neuen Kongregation war einerseits die Rückkehr zu einer strengen monastisch-kontemplativen Observanz, andererseits aber im Geiste ihrer Zeit auch missionarische Tätigkeit. Für benediktinische Klöster ungewöhnlich war die hierarchische und zentralistische Struktur der neuen Kongregation, die zwar später abgemildert und mehr subsidiarisch organisiert wurde, heute aber noch in der weitreichenden Kompetenz des Abtpräses unserer Kongregation weiterlebt. Das Generalkapitel von 1959 hat den Namen der Kongregation in Congregatio Sublacensis (Kongregation von Subiaco) abgeändert. Die Kongregation von Monte Cassino wurde 2013 der Kongregation von Subiaco inkorporiert, sodass heute beide Kongregationen unter dem Namen Congregazione Sublacense Cassinese (Kongregation von Subiaco und Monte Cassino) wiedervereinigt sind.

Literatur

    Giovanni Lunardi (2003): La congregatione sublacense O. S. B. 2 Bde. Noci: La Scala.

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