Unsere Kongregation

Die Benediktinerkongregation von Subiaco und Montecassino

Von Daniel Tibi OSB.

 

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Ein Benediktinerkloster ist grundsätzlich selbstständig. Als Zusammenschluss von selbstständigen Einklöstern haben sich im Laufe der Geschichte Kongregationen gebildet. Heutzutage gehören bis auf wenige Ausnahmen alle Benediktinerklöster einer der insgesamt neunzehn benediktinischen Kongregationen an. Die benediktinischen Kongregationen sind in der Benediktinischen Konföderation mit dem Abtprimas an der Spitze zusammengeschlossen.

Abtpräses Guillermo L. Arboleda Tamayo OSB | Foto: Congregazione Sublacense Cassinese O. S. B. Die Abtei Kornelimünster gehört der Kongregation von Subiaco und Montecassino an, der größten der benediktinischen Kongregationen mit Häusern in allen Erdteilen. Unsere Kongregation hat ihre Generalkurie im Kloster S. Ambrogio in Rom. Oberer unserer Kongregation ist der Abtpräses. Dieses Amt hat seit 2016 Guillermo L. Arboleda Tamayo OSB inne. Unsere Kongregation ist in acht Provinzen unterteilt. Nach der Schließung der Abtei Michaelsberg in Siegburg, die bis dahin mit unserer Abtei die deutsche Pro-Provinz innerhalb unserer Kongregation gebildet hat, gehört unsere Abtei, zunächst noch probeweise, zur englischen Provinz unserer Kongregation.

Die Wurzeln der Kongregation von Subiaco und Monte Cassino liegen im Italien des 15. Jahrhunderts, einer Zeit, in der die monastische Observanz in den Klöstern beklagenswert war und die kirchliche Autorität auf Reform drängte. Daher wurde Ludovico Barbo im Jahr 1408 von Papst Gregor XII. zum Abt des Benediktinerklosters Santa Giustina in Padua ernannt, dessen Reform er angehen sollte. Tatsächlich schaffte es Barbo die monastische Observanz in diesem Kloster wiederherzustellen. Das Kloster übte eine solche Anziehung auf den monastischen Nachwuchs aus, dass es die Zahl der Mönche bald erlaubte, Brüder in andere Klöster auszusenden, um die Observanz von Santa Giustina dort einzuführen. Diese Klöster schloss Papst Martin V. im Jahr 1419 zur Congregatio monachorum de observantia S. Justinae zusammen. Als die Abtei Monte Cassino der Kongregation beitrat, wurde der Name in Congregatio Casinensis (Kongregation von Monte Cassino) geändert. Die Kongregation war kontemplativ ausgerichtet. Ihr gehörten nur Klöster innerhalb Italiens an.

Pietro Casaretto OSB (1810-1878), Begründer der Kongregation von Subiaco und Monte Cassino | Foto: Archiv der Kongregation von Subiaco und Monte CassinoMit der Zeit ließ jedoch auch in dieser einstigen Reformkongregation die monastische Observanz nach und mit Pietro Casaretto begann die Reform der Reform. Casaretto trat 1827 in das Benediktinerkloster S. Maria del Monte in Cesena ein, das zu Kongregation von Monte Cassino gehörte. 1832 wurde er zum Priester geweiht. Die Mönche von S. Maria del Monte betreuten damals die S. Martino in Pegli, als deren Pfarrer Casaretto 1842 ernannt wurde. Im dortigen Pfarrhaus begründete Casaretto 1843 eine monastische Gemeinschaft, deren Lebensweise Casaretto den ursprünglichen Idealen von Ludovico Barbo anpassen wollte. Ende 1843 zählte die neue Gemeinschaft bereits zehn Mönche. Im Jahr 1844 zog die Gemeinschaft in die ehemalige Kartause S. Giuliano d’Albaro in Genoa um, und Casaretto wurde ihr Abt. Die Kernpunkte der Reformobservanz schrieb Casaretto in achtzehn Artikeln nieder. Er betonte die Bedeutung des Gemeischaftslebens und der persönlichen Armut der Mönche. Papst Pius IX. ernannte Casaretto im Jahr 1850 zum Abt des Benediktinerklosters S. Scolastica in Subiaco, das der Tradition nach von Benedikt von Nursia selbst gegründet worden ist. So hielt die Reformobservanz Casarettos Einzug in eines der bedeutendsten Benediktinerklöster. Außerdem übernahmen weitere Klöster die Reformobservanz Casarettos. Innerhalb der Kongregation von Monte Cassino wurden sie in der Provinz von Subiaco zusammengeschlossen. 1858 wurde Casaretto zum Abtpräses der Kongregation von Monte Cassino gewählt.

Die Provinz von Subiaco entwickelte sich zu einem Fremdkörper innerhalb der Kongregation. Der Kongregation gehörten bis dahin nur kontemplativ ausgerichtete Klöster in Italien an. Zur Provinz von Subiaco gehörten Klöster aus verschiedenen Ländern. Außerdem wurden die Mönche der Provinz missionarisch tätig. Daher trennte sich 1867 die Provinz von Subiaco von der Kongregation von Monte Cassino und bildete unter dem Namen Congregatio Casinensis a primaeva observantia (Kongregation von Monte Cassino der ursprünglichen Observanz) eine neue Kongregation, deren erster Generalabt Casaretto wurde. Ideal der neuen Kongregation war einerseits die Rückkehr zu einer strengen monastisch-kontemplativen Observanz, andererseits aber im Geiste ihrer Zeit auch missionarische Tätigkeit. Für benediktinische Klöster ungewöhnlich war die hierarchische und zentralistische Struktur der neuen Kongregation, die zwar später abgemildert und mehr subsidiarisch organisiert wurde, heute aber noch in der weitreichenden Kompetenz des Abtpräses unserer Kongregation weiterlebt. Das Generalkapitel von 1959 hat den Namen der Kongregation in Congregatio Sublacensis (Kongregation von Subiaco) abgeändert. Die Kongregation von Monte Cassino wurde 2013 der Kongregation von Subiaco inkorporiert, sodass heute beide Kongregationen unter dem Namen Congregazione Sublacense Cassinese (Kongregation von Subiaco und Monte Cassino) wiedervereinigt sind.

 

Weiterführende Literatur

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